ZEIT: Frau Simonis, Bundesfinanzminister Waigel hat die neuen Bundesländer vor „überzogenen Forderungen“ gewarnt, weil es im Westen einen Überdruß an der deutschen Einheit geben könnte. Teilen Sie als Landesfinanzministerin aus dem Westen diese Ansicht?

Simonis: Nein. Aber was die Menschen zu Recht nervös macht, auch mich selber, ist die Tatsache, daß uns keiner sagt, was die Einheit denn nun wirklich kostet. Das soll verkleistert werden mit dem Vorwurf an die Finanzminister der fünf neuen Länder – denen ich weiß Gott auch einiges zu erzählen hätte –, sie seien schuld, wenn Unfreundlichkeiten zwischen Ost und West auftreten.

ZEIT: Was haben Sie Ihren Kollegen aus dem Osten vorzuwerfen?

Simonis: Ich habe es enttäuschend gefunden, daß viele Entscheidungen der fünf neuen Länder mit dem Bundesfinanzminister zusammen aus rein taktischen, kurzfristigen Überlegungen erfolgt sind. Sie machen damit eine Front gegen die „reichen“ Westländer auf – aus ihrer Sicht sind wir im Westen alle gleichermaßen reich. Das bekommt dem Föderalismus nicht. Manche sprechen ja schon vom „Förderalismus“.

ZEIT: Herr Kühbacher, fühlen die neuen Länder sich vom Westen ausreichend gut behandelt?

Kühbacher: Eines steht fest: Die Bundesregierung und die Regierungen der alten Länder haben, bevor es uns überhaupt gab, die Finanzierung nach dem Motto verabredet: Wie halten wir eine Kolonie möglichst klein? Die Absprachen, die im Einigungsvertrag getroffen wurden, bevor wir überhaupt geboren waren, sind falsch gewesen, zum Teil sogar zynisch. Deshalb ist auch erklärbar, daß wir jungen Länder uns bei unserer Entwicklung zusammenschließen und sagen: Wie kann es nun weitergehen?

ZEIT: Wie bewerten Sie denn die finanzielle Solidarität der Westländer, die selbst von sich behaupten, 1991 um die 26 Milliarden Mark zugunsten des Ostens geleistet zu haben? Andere Schätzungen liegen nahe Null.