Von Irene Dänzer-Vanotti

Die Klimakatastrophe, so glauben ein Politiker und ein Umweltschützer, ist noch abzuwenden – mit Hilfe der Weiten Rußlands und der guten alten Photosynthese: Bäume gegen den Teibhauseffekt, heißt der Plan. Nur will ihn niemand so recht – die Antwort auf eine der Überlebensfragen der Menschheit scheint zu einfach.

Bäume verwandeln Kohlendioxyd, CO hoch 2, das bei der Energiegewinnung aus Öl, Erdgas, Kohle oder Holz entsteht, in Sauerstoff und lagern Kohlenstoff in Blättern und Holz ein. Man müßte also nur genügend Bäume pflanzen, und das Gas CO hoch 2 würde gebunden und könnte der Erdatmosphäre nicht mehr gefährlich werden. Etwa zehn Millionen Quadratkilometer neuer Wälder bräuchte die Welt, um der Klimakatastrophe zu entkommen. Bisher sind 45 Millionen Quadratkilometer Erdoberfläche bewaldet.

Diese Idee wurde zum „Internationalen Großprogramm zur Aufforstung großflächiger Länder als Beitrag zur Abwendung der Klimakatastrophe“; erarbeitet von einem Umweltschützer in Eigeninitiative, dem Düsseldorfer Unternehmensberater Karl Peter Hasenkamp, und von Hermann Scheer, SPD-Bundestagsabgeordneter und Präsident der Europäischen Sonnenenergievereinigung Eurosolar. In einem mit Forstwissenschaftlern und Politikern aus der Bundesrepublik, Rußland und den Vereinigten Staaten erarbeiteten Memorandum nennen sie ihren Vorschlag unbescheiden ein „All-Winners-Konzept für die Menschheit“.

Aber die russische Regierung haben Scheer und Hasenkamp von ihrem Plan überzeugt. Sie stellen sich aber vor, daß auch andere großflächige Staaten wie China, Indien, Mexiko oder der Sudan aufforsten könnten. Die Länder nähmen Devisen ein, sie könnten Tausende Arbeitsplätze schaffen, und zwar naturnahe in den Wäldern selbst und technische in der Holzindustrie. Sie würden ländliche Gebiete wirtschaftlich stärken und somit den Zug in die Städte bremsen und eine Reihe ökologischer Probleme lösen. In Waldgebieten würden die Böden nicht veröden, würde Wasser gespeichert, Tiere fänden neuen Lebensraum. In manchen Ländern könnte der Vormarsch der Wüste gestoppt werden.

Der Industrie-, Wohlstands-, Reise- und Verkehrsstaat Deutschland verpulvert zur Zeit im Jahr die Energie von 450 Millionen Tonnen Steinkohle und bläst damit eine Milliarde Tonnen Kohlendioxyd in die Luft. Die Bundesregierung hat das hohe Ziele gesetzt, bis zum Jahr 2005 ein Viertel davon einzusparen. Aber selbst wenn das gelänge, was Forschungsinstitute bezweifeln, selbst dann stiege von deutschen Schloten und Auspuffrohren immer noch mehr Treibhaus-Gas auf, als derzeit auf natürlichem Wege unschädlich gemacht werden kann, nämlich von den Ozeanen und bestehenden Wäldern. Sie nehmen uns heute die Hälfte aller CO hoch 2-Emissionen ab.

Scheer und Hasenkamp schlagen deshalb vor, daß die Bundesrepublik Wald pflanzen läßt. Viel Wald. 500 000 Quadratkilometer würden jahrzehntelang jährlich 500 Millionen Tonnen CO hoch 2 binden. Etwa im Jahr 2010 hätte Deutschland dann biologisch die Hälfte seiner CO hoch 2-Emission getilgt und wäre – wenn ein weiteres Viertel programmgemäß eingespart ist – eine „Treibhauseffekt-neutrale Wirtschaftsnation“. Das würde am globalen Problem immer noch wenig ändern, denn die Bundesrepublik ist nur für vier Prozent des Welt-Kohlendioxyd-Ausstoßes verantwortlich, könnte aber doch ein Signal setzen und anderen Industriestaaten ein Beispiel geben. Die Menschheit könnte „Zeit kaufen“, die sonst vielleicht nicht mehr vorhanden wäre, ein Solarenergiesystem aufzubauen.