Anders als eine Reihe wirklich schicker europäischer Städte ist Dublin nicht selbstverständlich eine Reise wert. Neben seiner verblichenen und vielfach zerstörten Eleganz hat es etwas Kerniges, das nicht jedermanns Sache ist. Die meisten Irlandtouristen begeben sich auf dem Weg von der Fähre in Dun Laoghaire stracks in den Insel-Westen und würdigen höchstens auf dem Heimweg das „Book of Keils“ eines Blickes.

Die Autoren eines neuen Führers durch die irische Hauptstadt sind klug genug, den Tatbestand relativer Verschnarchung in Betracht zu ziehen und den Leser nicht mit Superlativen zu überraschen, die jener als Reisender nicht vorfinden wird.

  • Christian Oeser, Jürgen Schneider, Ralf Sotschek:

Dublin, Stadt und Kultur

Verlag Jürgen Häusser,

Verlag Irland Journal; 208 S., 28,– DM

Christian Oeser und Ralf Sotschek (von Jürgen Schneider weiß ich es nicht) sind lang eingesessene Dublin-Residenten, der eine als Übersetzer, der andere als taz-Korrespondent, und wissen, wovon sie schreiben. Ihr „Dublin“ ist blitzsauber und zum Haareraufen detailliert recherchiert, mit einem speziellen Blick auf die „Poesie der Trostlosigkeit“, von der sich wahrhaftig nur hartgesottene Liebhaber dieser Stinkstadt bezaubern lassen. (Die Idee, einen Spaziergang am Royal Canal vorzuschlagen...)