Eine Stadt wird zum Symbol. In Rostock fing die neue deutsche Gewaltwelle gegen Ausländer an. In Rostock, wen darf die Ortswahl wundernehmen, demonstrierten französische Juden, sechzig an der Zahl, gegen die jüngste Vereinbarung zwischen Bonn und Bukarest. Dieser Akkord soll die „Rückschiebung“ nicht anerkannter Asylbewerber nach Rumänien erleichtern.

Doch wie es bei Protestaktionen häufig der Fall zu sein pflegt, fiel die Aktion schließlich aus dem korrekten Rahmen der Legalität. Tränengas wurde versprüht – von den Demonstranten. Denn die Polizei hatte eingegriffen – so schnell, wie es das Gesetz befahl, so schnell, wie man es sich vor all den Ausländerwohnheimen auch gewünscht hätte.

An Gesetz und Recht haben sich alle zu halten, die Bösen wie die Gutwilligen. Das Dumme ist nur, das jenseits des Prinzips das Gefühl übrigbleibt, die Proportionen seien verrutscht. In der Tat: Wenn die Polizei bei besorgten Gegendemonstranten schneller reagieren kann als bei so brutalen Gewaltakten wie vor dem Vietnamesenheim in Thale, dann stimmt etwas nicht mehr. Und wir wissen nur zu genau, was. R.L.