Von Meir Sehalev

TEL AVIV. – Komme ich auf meinen Reisen in einen Zoo, dann schaffe ich mir dort meine Vorurteile über die Menschen. Kürzlich hielt ich mich in Baltimore auf und besuchte das Aquarium. Ein prächtiger Bau, in dem sich viele Haie und Kraken, Aale und anderes Meeresgetier tummelt, das ich nicht gleich wiedererkannte, weil es mir vom Grill ganz anders in Erinnerung war.

Den Geschäftsführern des Aquariums schien es nicht entgangen zu sein, daß einige ihrer lebendigen Ausstellungsstücke dem Betrachter den Mund wässerig machten, denn entgegen der Regel „Sprich im Schafstall nicht von der Opfergabe“ hingen leckere Fischrezepte aus.

In den Vereinigten Staaten gilt das Fleisch einiger Fische als ungenießbar. Amerikanern ein Walsteak à la „Moby Dick“ zu servieren wäre etwa so, als wollte man einem Juden zum Jom Kippur in Butter gebratenen Schinken anbieten.

Eine stolze Einwohnerin Baltimores erzählte mir mit vollem Mund – sie kaute auf Muscheln herum –, daß einmal ein Wal zu nahe an die Küste getrieben worden sei. Sofort wurde er herausgeholt, wiederbelebt und auf Kosten der Steuerzahler in die Stadt geflogen, wo man ihm umfangreiche medizinische und sogar psychologische Betreuung angedeihen ließ.

Wer sich daran erinnert, wie vor einigen Jahren ein Wal, der im Eis Alaskas festsaß, mit Hilfe eines Eisbrechers und für Millionen von Dollars befreit wurde, kann sich kaum des Verdachts erwehren, daß Wale ganz einfach gelernt haben, wie man einen Dummen findet.

Auf meinem Rundgang durch das Aquarium hörte ich auch eine aufwühlende Rede gegen die grausamen japanischen Thunfischfänger. In ihre Netze geraten auch unschuldige Delphine. Die Zuhörer reagierten mit Empörung. Die Delphine haben eindeutig bessere PR-Leute als Thunfische.