Bei Diskussionen von Fehlbesetzungen im Kabinett wird Postminister Christian Schwarz-Schilling am häufigsten genannt. Inzwischen gehört black-penny zu den dienstältesten Ressortleitern, hat sich eine satte Pension (rund 10 000 Mark) erdient und wird die nächste Ressortumbildung wieder schadlos überstehen. Dabei hätte Bundeskanzler Helmut Kohl allen Grund, ihn jetzt aufs Altenteil zu schicken. Bei dem so dringlichen Umbau der drei Postunternehmen in Aktiengesellschaften vertritt Schwarz-Schilling kompromißlos Maximalvorstellungen und operierte so glücklos, daß die SPD jetzt ihre Mitarbeit aufgekündigt hat. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Wolfgang Roth: "Mit so unseriösen Leuten kann man doch nicht diskutieren." Anlaß ist der wiederholte Versuch Schwarz-Schillings, Postgewerkschaft und Sozialdemokraten gegeneinander auszuspielen sowie Zwietracht unter die Post-Politiker der SPD, Peter Paterna und Arne Börnsen, zu säen. Roth, der die Zusammenarbeit der SPD mit den Gewerkschaften koordiniert: "So kann man doch mit Erwachsenen nicht umgehen." Er empfahl seinen Parteikollegen daher, die Zusammenarbeit mit dem Mini-Machiavellisten Schwarz-Schilling erst einmal einzustellen. Dabei hatte die SPD viel guten Willen eingebracht; sie war bereit, die notwendige Grundgesetzänderung mitzutragen. Roth: "Wir wären sicher genausoweit wie bei der Bahn, wenn der Minister nicht so starrsinnig wäre."

Verteidigungsminister Volker Rühe, nun doch nicht CDU-Vize geworden, muß sich wieder einmal dem Jäger 90 widmen. Den hat er zwar gestrichen, nun kommen aber die Folgen. Vor wenigen Tagen ist die Studie der Firma Eurojet abgeliefert worden. Darin wird untersucht, ob und wie ein anderes Jagdflugzeug möglich ist, das gegenüber dem Preisstand vom April dreißig Prozent billiger ist, also nicht 127 Millionen kostet, sondern nur etwa 90 Millionen, inclusive Zubehör. Das Ergebnis: Bei größten Sparbemühungen ließe sich ein neues Jagdflugzeug, NEFA genannt, herstellen, das gegenüber dem Jäger 90 geringfügige Nachteile aufweist und nur rund 100 Millionen Mark kostet. Bei weitergehenden Reduzierungen – einem Abspecken der elektronischen Selbstschutzsysteme – ließe sich sogar ein Preis deutlich unter 100 Millionen Mark erzielen. Das käme der Dreißig-Prozent-Forderung nahe, ohne dat die militärischen Forderungen aller vier beteiligten Länder – Bundesrepublik, England, Italien und Spanien – in Frage gestellt werden. "Von allen neuen Entwürfen ist keines mit der Kampfkraft von NEFA vergleichbar, und mit Ausnahme der leistungsschwächsten Variante sind alle Alternativen auch teurer als die untersuchten NEFA-Modelle", schreibt Eurojet. Die neuen Entwürfe würden überdies zu einer erheblichen Programmverzögerung sowie zu "schwerwiegenden und schädlichen Auswirkungen auf die beteiligten Unternehmen in den Partnerländern" führen.

Da ist guter Rat teuer, zumal die Briten fest entschlossen sind, das alte Programm bis zum bitteren Ende durchzustehen. Das heißt für Bonn: Die Entwicklungskosten müssen vertragstreu gezahlt werden. Noch schlimmer: Die Deutschen müssen alles, was sie bisher gezeichnet und gefertigt haben, in London abliefern. Das geballte Know-how bekommt die britische Industrie; sollte London danach doch noch aussteigen, stünden die Deutschen dumm da. Ob Rühe das nicht mit etwas mehr Gespür für Diplomatie hätte vermeiden können?

Der Wirtschaftspädagoge Karlheinz A. Geissler von der Bundeswehrhochschule München, seines Zeichens Zeit-Forscher, hat die Deutsche Bundesbahn reichlich "ignorant" genannt, daß sie ihren schnellsten Zug, einen ICE, ausgerechnet nach dem Dichter Friedrich Hölderlin benannt hat. Geissler: "So werden Tote der Geschwindigkeit geopfert, und die Literatur ebenso." Von letzterer haben die Namensgeber bestimmt keine Ahnung. Hölderlin ist nämlich dafür bekannt, daß er nicht gerade zu den schnellsten Zeitgenossen gehörte, sondern zu den Bedächtigen zählte, übrigens im Wissen, "daß in der zögernden Welt einiges Haltbare sei". Für den Mißbrauch seines guten Namens hat sich der Poet bei den Bahnoberen gerächt, indem er ihnen aus dem Grab heraus ein Beinchen gestellt hat: Der schnellste Zug der Bahn steht besonders oft still.

Wolfgang Hoffmann