Von Gunhild Lütge

Es ist zu schön, um wahr zu sein: Ohne einen Pfennig Geld in der Tasche löst jemand eine Busfahrkarte in die City, kauft dort die ersten Weihnachtsgeschenke ein und erledigt nebenbei noch ein paar Telephonate bei der Post. Das Geld dafür wird automatisch von seinem Konto abgebucht. Dafür sorgt eine einzige Plastikkarte, mit einem winzigen Mikrochip bestückt. Sie ist bequem und bietet allen Beteiligten große Sicherheit. Allerdings: Fürs Bezahlen in Bussen und Bahnen sowie an der Ladenkasse gibt es solch komfortables Plastikgeld noch nicht. Nur die Telekom hat eine Chipkarte im Programm.

Dabei läuft die Diskussion über die bargeldlose Gesellschaft schon seit Anfang der achtziger Jahre. Intelligente Lösungen sind technisch machbar. Allerdings fielen sie bisher dem erbitterten Streit der beiden wichtigsten Partner zum Opfer. Und das sind der Handel und die Banken.

Beide haben durchaus ein Ziel: Sie wollen den Zahlungsverkehr rationalisieren. Aber Sicherheit beim elektronischen Bezahlen ist teuer. Und so verstrickten sich die Kontrahenten in einen heftigen Poker ums Geld. In ihrem Machtkampf verrennen sich Handel und Banken derzeit in fragwürdigen Konzepten. Sie könnten dabei das bewährte Eurocheque-System (ec) bei den vielen Millionen Benutzern in Verruf bringen.

An Mahnungen mangelt es nicht. "Ich empfehle jedem ec-Kartenbesitzer, seine Kontoauszüge ganz genau zu prüfen", warnt beispielsweise Jürgen Nielebock. Er ist Datenschutzbeauftragter bei der GAD Gesellschaft für automatische Datenverarbeitung in Münster, das zentrale Rechenzentrum der Genossenschaftsbanken in Westfalen. Mit den jüngsten Variationen beim bargeldlosen Bezahlen seien dem Scheckkartenbetrug keine Grenzen mehr gesetzt, glaubt er.

Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die "wilden Verfahren" etlicher Einzelhändler. Ohne ausreichende Prüfung werden allein die Scheckkarten, heute noch mit einem simplen Magnetstreifen als Datenträger versehen, akzeptiert. Zwar muß der Kunde noch einen Beleg unterschreiben, nicht aber mehr den im ec-System obligatorischen Scheck präsentieren oder sich auf andere Weise zusätzlich legitimieren. Was die Kunden als so bequem empfinden, ist höchst riskant. Es reichen nämlich eine gestohlene oder duplizierte Scheckkarte und eine gefälschte Unterschrift aus, um auf fremde Kosten einzukaufen. Die Kombination zwischen Karte und Scheck minderte bisher dieses Risiko.

Wie groß die Gefahr des Mißbrauchs bei Verfahren ist, die allein auf Karte und Unterschrift basieren, ist aus dem Kreditkartengeschäft bekannt. Längst nutzen internationale Banden die Schwächen des Plastikgeldes. Nach Schätzungen des Bundeskriminalamtes sind die Betrügereien seit 1989 um das Vierfache gestiegen. Rund hundert Millionen Mark sollen in der Bundesrepublik mittlerweile durch Mißbrauch ergaunert werden. Es gibt rund sieben Millionen deutsche Kreditkartenbesitzer. Zum Vergleich: Rund 35 Millionen Bankkunden nutzen eine Eurocheque-Karte.