In dieser Zeit, in der eine Hiobsbotschaft die andere jagt, haben wir etwas Erfreuliches zu melden: Eine Tierart, die in unseren Breiten längst als ausgestorben galt, ist in der Bundesrepublik wieder aufgetaucht, der Menschenfloh. Mußten wir uns seit Ende der fünfziger Jahre damit begnügen, die Bisse von artfremden Flöhen zu kratzen, nämlich die der Hunde- und Katzenflöhe (Ctenocephalides canis beziehungsweise felis), dürfen wir jetzt wieder unseren eigenen kleinen Springinsfeld ernähren, den zwei Millimeter langen pulex irritans. Allein wegen seiner sportlichen Leistungen – er kann vierzig Zentimeter weit und zwanzig Zentimeter hoch hüpfen – ist der Menschenfloh ein besonders hegenswertes Mitwesen.

Noch tritt er aber in Deutschland nur sporadisch auf; und weil Umweltmuffel dazu neigen, nach dem Tier zu schlagen und es dabei zu verletzen, wenn nicht gar zu töten, sollte es, sofern dies nicht schon geschehen ist, in den Geltungsbereich des Artenschutz-Abkommens aufgenommen werden.

Bei der Ratte besteht die Gefahr des Aussterbens nicht. Sie hat uns trotz des schändlichen Massenmordens mittels chemischer Keule nie verlassen. Entbehren mußten wir allerdings, was sie bis ins 18. Jahrhundert kulturell so bedeutungsvoll gemacht hat: die Pestilenz. Ihr verdanken wir allerlei fröhliche Volksbräuche, bunte Prozessionen, vor allem aber künstlerische Werte wie Choräle, Gemälde, Statuen, Kapellen, sogar Festivals – Oberammergaus Passionsspiele sind nur ein Beispiel von vielen.

All dies ist freilich nicht allein das Verdienst der Ratte gewesen. Vielmehr bedurfte es der Mithilfe von auf ihr schmarotzenden Pest- und Menschenflöhen.

Jetzt erreicht uns die Nachricht, daß die Pest in den Vereinigten Staaten wieder aufgetaucht ist.

Wie wir sehen, ist nicht nur alles schon dagewesen, es kommt auch alles wieder. TvR