Von Robin Detje

Auf dem Weg ins Vorpommersche im gemieteten Wagen begegnen sie dem Reporter zum ersten Mal, irgendwo auf einer Landstraße zwischen Güstrow und Teterow: drei Männer in einem großen BMW, mit weißen Hemden und Krawatten. Sie fahren so dicht auf, daß man das Weiße in ihren Augen sehen könnte – aber sie tragen glänzende Sonnenbrillen. Sie überholen in der Kurve und ziehen davon – trotzdem bleiben sie dem Reporter im Nacken. Die ganze Reise lang reisen sie im Geiste mit: Investoren aus Ulm.

Das Problem Deutschlands

"Theatertod" heißt das neue Stück auf dem Spielplan des Greifswalder Theaters. Die Premiere wäre auch schon die allerletzte Vorstellung.

"Gegen Kulturabbau", steht auf dem Transparent, das der Intendant des Theaters auf der Demo in die Höhe hält. In der Universitätsstadt Greifswald, sagt Dieter Wagner, gibt es neben dem Theater noch ein Kino für Kassenschlager. Sonst nichts. Vorpommern ist weit und leer. Wer den neuen Film von Chabrol sehen will, muß nach Berlin fahren.

Greifswald ist eine Wüste. 1978 wurde die Sanierung der historischen Altstadt in Angriff genommen, berichtet der Stadtführer: "durch Ersatzneubau in Plattenbauweise nach vorangegangenem Flächenabbruch". In akribischer Kleinarbeit, sagt Dieter Wagner, habe die SED diese Stadt über vierzig Jahre hin zerstört. 120 Zuschauer wollen hier am Montag abend die "Zauberflöte" sehen. Pamina schmachtet in einem Kerker der Roten Armee.

Das Theater Greifswald hat drei Sparten, 213 Angestellte und einen Etat von zwölf Millionen Mark. Das kann eine Kleinstadt im ärmsten Bundesland der Republik nicht bezahlen. Der Kultusminister von Mecklenburg-Vorpommern, Oswald Wutzke, hatte mündlich zugesagt, sechzig Prozent der Theateretats aus dem Landeshaushalt zu begleichen – und ging bei einer Kabinettsumbildung verloren. Seine Nachfolgerin Steffie Schnoor will von seinen Versprechungen nichts mehr wissen. Es sieht nicht gut aus. Dem Theater Greifswald fehlen acht Millionen Mark zum Überleben.