Wenn keine jähe Trendwende die politischen Hochrechnungen durcheinanderwirbelt, wird Bill Clinton am kommenden Dienstag zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Die Amerikaner haben ihn in einem langen Wahlkampf als verbindlichen, redegewandten und intelligenten Politiker erlebt. Sie kennen zumindest die Umrisse seines detaillierten Programms, das Amerika die Wende zum Besseren bescheren soll. Ungewißheit hingegen herrscht bis zuletzt darüber, warum sich der demokratische Kandidat zur Ausübung der größten Macht im Lande berufen fühlt und wie er sie nutzen würde.

Solche Zweifel plagen – nicht nur amerikanische – Wähler vor fast jedem Votum. Bei dem Gouverneur aus der Provinz schlagen sie stärker zu Buche als gewöhnlich, weil seine Prüfung vor dem nationalen Publikum noch nicht sehr lange währt und weil sein Charakterbild dabei gelegentlich schillerte. Auch die erste Biographie des Prätendenten verspricht keine endgültige Klarheit. Die beiden Autoren Charles F. Allen und Jonathan Portis haben sich vielmehr in guter Reportermanier darauf beschränkt, gründlich zu recherchieren und weitgehend wertfrei zu berichten. Sie offerieren deshalb weder ein funkelndes Portrait noch eine tiefschürfende Persönlichkeitsanalyse. Ihr Ziel war es vielmehr, die entscheidenden Etappen eines Lebensweges nachzuzeichnen.

Für den deutschen Leser führt dieses Ansinnen mitunter auf ermüdende Nebenstrecken. Die Feinheiten der Politik im Hinterwäldlerstaat Arkansas sind nun einmal nicht sonderlich faszinierend, und selbst Clintons Verirrungen vom Pfade der Ehe bieten wenig Lesereiz, wenn sie im Stil einer Geschäftsbilanz abgehandelt werden. Immerhin verleiht die Fleißarbeit der beiden Journalisten dem Bild des Kandidaten ein paar deutliche Akzente. Sein wahrscheinlich wichtigstes Charakteristikum wird im Titel der amerikanischen Ausgabe plakatiert. „The Comeback Kid“ lautet er, und als eine Art „Stehaufmännchen“ hat sich Clinton in seinem 45jährigen Leben wahrlich bewährt.

Von seiner Mutter wird die Mahnung an den Sohn kolportiert: „Man muß in der Lage sein, jede Menge einzustecken ... und doch unverdrossen weiterzukämpfen.“ Wie immer der Satz sich auch dokumentieren läßt, Bill Clinton hat sich an die Botschaft gehalten. Von seiner Jugend in bedrückenden Familienverhältnissen über Rückschläge in seiner politischen Anfängerzeit bis zu den Enthüllungslawinen im Wahlkampf – Clinton hat sich nicht umwerfen lassen. Ob ihm dabei allein Ehrgeiz den Rücken stärkte oder ob er auch eine Berufung fühlte, lassen die Autoren offen.

Der Politiker mit den eher weichen Gesichtszügen kann Härte zeigen – und er scheint seiner selbst sicher. Für die Gelassenheit bietet das Buch vor allem zwei Gründe an. Der eine ist Clintons Verwurzelung in seiner Heimat Arkansas. Dem begabten Juristen standen nach seinem Studium die Türen zu den Metropolen offen, aber er entschied sich für die heimische Provinz. Dort hat er in zwölf Jahren als Gouverneur vieles bewegt, besonders im Schulwesen, aber seinen Staat nicht vom Geruch eines Armenhauses befreien können. Immerhin war Arkansas sein Fundament für weiterreichende politische Ambitionen, und es ist der Maßstab für seine Befähigung zum höchsten Amt. Allen und Portis urteilen nicht, ob Clinton die nötigen Kriterien erfüllt. Doch sie zeichnen ihn in seiner Gouverneursrolle als instinktsicheren und lernbegierigen Politiker.

Clintons zweite Stütze ist seine Frau Hillary. Die ausgezeichnete Juristin wurde im Wahlkampf immer wieder als

Von Die