Von Werner A. Perger

Düsseldorf

Was ist das Besondere an diesem Heinz Eggert? Nicht nur viele Delegierte auf dem Parteitag in Düsseldorf haben sich das gefragt, er fragt es selbst. An der Begeisterung über seine kurze Rede, sagt er, merkte er zum ersten Mal, daß es klappen könnte; bis dahin schien ihm das nahezu ausgeschlossen. Seine Kandidatur, die Helmut Kohls Personalplanung durcheinanderzubringen drohte – und ironischerweise dann doch in Ordnung brachte –, war ursprünglich eher als Demonstration angelegt denn zielgerichtet. Dann die Rede, der Jubel. Da dämmerte ihm, es könnte ernst werden. Aber: „Was habe ich denn Besonderes gesagt?“

Genaugenommen, nichts. Heinz Eggert, der Ex-Pastor aus Sachsen, der in Distanz zum SED-Staat gelebt hat und sich in diesem Zustand ständiger Konfrontation „relativ frei gefühlt“ hat, der an der friedlichen Revolution beteiligt war, vor knapp einem Jahr Innenminister im Kabinett Biedenkopf wurde und erst vor wenigen Wochen mitteilte, er wolle in die Spitze der Partei einrücken, dieser Heinz Eggert hat keine große Rede gehalten. Aber er symbolisiert mit seinem unbekümmerten Auftreten, seinem kämpferischen Selbstbewußtsein und seiner (ost) deutschen Biographie den großen Wandel im Lande, die Binsenweisheit, daß seit 1989 nichts mehr ist, wie es war.

Wenn Heinz Eggert, wie in Düsseldorf, vom „Nationalbewußtsein“ redet, das für ihn als identitätstiftende Klammer“ dienen könnte in Deutschland, zuckt mancher „Wessie“ zusammen. Andere wiederum, die sonst mit diesem Eggert wenig gemeinsam hätten, applaudieren. „Ich weiß“, sagt Eggert, „daß viele jetzt fragen, ob ich ein Nationaler bin oder ein Rechter.“ Aber in das „altbundesdeutsche Wertesystem“, in das Koordinatensystem von links und rechts, von fort- oder rückschrittlich will er sich auch künftig nicht einfügen lassen. Das sind aus seiner Sicht Fesseln, und die der einstigen DDR hat er nicht gesprengt, um sich die der BRD anlegen zu lassen.

Helmut Kohl hat nun neben Angela Merkel, die in die CDU-Führung zwar ihre persönliche Ost-Erfahrung einbringt, aber kein politisches Eigengewicht, einen „Ossie“ von ganz anderem Zuschnitt, einen, der von ihm nicht abhängig ist und der schon anderen Brutalitäten getrotzt hat als dem Konfrontationsstil des Vorsitzenden. Er wird sich auf die veränderte Lage einstellen müssen, denn immerhin hat Eggert nicht zuletzt mit der Begründung gegen Kohls Vierer-Vorschlag kandidiert, die Monostruktur der CDU-Führung auflockern zu wollen.

Seine politische Zielsetzung sei es, sagt Heinz Eggert, die „Einteilung in Ost und West aus der Sprache und aus den Köpfen herauszubringen“. Wenn es sein muß, man traut ihm diesen Versuch durchaus zu, auch aus dem Kopf des „Kanzlers der Einheit“. Beispiel: Bundespräsident. Das sei gewiß gut gemeint, sagt der Sachse, daß Kohl den Nachfolger von Richard von Weizsäcker aus dem Osten holen wolle. Aber das vorrangige Kriterium könne dies nicht sein. „Wer ist fähig? Das muß entscheidend sein und nicht, wo er herkommt.“