Fernsehen, das war hierzulande einmal eine Instanz. Gewiß, mit all ihren Mängeln – was Wunder, wenn politische Parteien in den Gremien Platz nehmen und in der Personalpolitik mitmischen. Ein wenig offiziös also, aber doch immerhin mit jener gedämpften Ausstrahlung, die der Nachrichtengebung den Ruf des Seriösen vermittelte. Was die Sprecher vortrugen, galt schlichten Zuschauern sogar als die Wahrheit schlechthin.

So war es gewesen, bis Politiker glaubten, sie könnten sich ein weitaus gefügigeres Spielzeug zur Pflege höherer Werte erfinden: das Privatfernsehen. Jetzt haben sie beides: Sex – and Crime.

Die öffentlich-rechtlichen Medien mögen Anstalten sein, aber eines ist in ihnen undenkbar: daß für sexy klingende, im Grunde aber kriminelle Denunziation bares Geld gezahlt wird. Der Privatsender Sat 1 hingegen zahlte einem Stasi-Mann über einen dubiosen „Nachrichtenhändler“ mindestens 25 000 Mark dafür, daß er zur Affäre Stolpe vor der Kamera erzählte, was auf keine Kuhhaut gepaßt hätte – ein echter Fall von Pay-TV. R.L.

(Siehe auch Seite 10)