ter Buhl

Nach dem Salto seines Helden zurück auf die politische Bühne findet das Buch erneut Interesse. Ross Perot, der kleingewachsene Selfmademan aus Texas, der es innerhalb weniger Jahre zum dreifachen Dollar-Milliardär brachte, er hat die Phantasie vieler Amerikaner schon länger beschäftigt. Sein Lebensweg steil nach oben ist schließlich genau der Stoff, aus dem selbst im Lande der nicht mehr ganz so unbegrenzten Möglichkeiten die Träume sind. Mit seinem zweiten Anlauf zur Präsidentschaft der Vereinigten Staaten weckt der legendenumwobene Krösus zusätzliche Neugier. Die Wähler fragen dringlicher denn je, ob sie es mit einem Aufschneider oder einem potentielen Retter des Vaterlandes, mit einem Mythos oder einer Führungsfigur aus echtem Schrot und Korn zu tun haben. Der Autor gibt nicht vor, alle Antworten zu kennen. Todd Mason, Korrespondent des Wallstreet Journal in Dallas, hat bei der Suche nach dem wahren Perot ohnehin Schwierigkeiten genug gehabt.

Das Objekt seiner Recherchen äußerte sich nur kurzangebunden und widerwillig. Seine Verwandten und engen Freunde verdonnerte Ross Perot zum Schweigen. Deshalb mußte der Verfasser mit ehemaligen Weggefährten des Aufsteigers, mit seinen zahllosen Widersachern, mit Zeitungsartikeln, mit Protokollen aus dem Kongreß und von Gerichtsverhandlungen als Quellen vorlieb nehmen. Wegen dieser Beschränkungen bietet Mason keine anekdotenreiche Lebensbeschreibung. Er konzentriert sich auf eine business biography, eine Biographie des Geschäftsmannes Perot.

Gerade in seinem trickreichen geschäftlichen Werdegang, aber spiegelt sich immer wieder Ross Perot pur. Für Mason offenbart sich dabei als Leitlinie, daß der Texaner stets und absolut davon überzeugt ist, recht zu haben. Zu dieser Erkenntnis will nicht ganz passen, wenn der Mann mit französischem und irischem Blut in den Adern als Prototyp des amerikanischen Vertreters dargestellt wird. Doch mit seinem freundlichen Lächeln, dem Stolz auf das eigene Produkt und seiner Überredungskunst trägt Perot in der Tat viele Züge Willy Lomans, auch wenn ihn die Tragik von Arthur Millers „Handlungsreisenden“ wahrlich nicht umgibt.

Der Aufbau seiner Firma für Datenverarbeitung EDS (Electronic Data System) ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie selbst in Amerika zu den Raritäten zählt. Mason beschreibt Perots Steigflug aus bescheidensten Anfängen zu einem milliardenschweren Imperium, aber er schildert auch seine vielen Loopings und Beinahe-Zusammenstöße. Und er räumt mit Legenden auf. So startete Perot EDS nicht mit häufig erwähnten 1000 Dollar, die er von seiner Frau geliehen haben soll, sondern als relativ wohlhabender ehemaliger IBM-Vertreter. Auch die oft beschworene Liebe zu den Mitarbeitern seiner Firma hielt der Wirklichkeit nicht stand, denn als es ihm nützlich erschien, verkaufte er sein Unternehmen samt lebendem Inventar an General Motors.

Perots kurzer Flirt und sein langer Trennungskampf mit dem Automobilgiganten General Motors füllt die meisten Seiten des Buches. Für Geschäftsleute wie Juristen bietet der Streit ein Lehrstück dafür, wie David Goliath aufs Kreuz legen und dabei eine Menge Geld verdienen kann. Die Manöver des Einzelkämpfers gegen den Mammutkonzern sind nicht immer leicht nachzuvollziehen. Doch getragen von Selbstgerechtigkeit und eisernem Willen, offenbart sich Perot dabei als eine Spezies, die vielen Amerikanern imponiert und manche abstößt: ein Pferdehändler mit Charisma.

Widersprüche prägen die Persönlichkeit des Texaners, der sich als Samariter und Mäzen ebenso profiliert hat wie als Unternehmer mit autokratischem, um nicht zu sagen despotischem Gehabe. „Er weiß“, schrieb der Verfasser, „daß er wegen seiner mangelnden Fähigkeit zum Zurückstecken für die Politik nicht geeignet ist... er kann keine Kompromisse schließen.“ Mittlerweile hat es sich der Milliardär mehrfach anders überlegt. Im Augenblick jedenfalls strebt er mit großem Engagement und viel Geld das Präsidentenamt an. Ob Ross Perot jedoch auch nur die nötige Gelassenheit für diese Position aufbrächte, darf bezweifelt werden, denn, so urteilt sein unautorisierter Biograph, „ihm geht es um Aktion, nicht um Argumente“.