Nach außerirdischen Botschaften hungern nicht nur Esoteriker, sondern auch die Astronomen der Nasa: Seit dem 12. Oktober, dem Jahrestag der Entdeckung Amerikas, lauschen sie mit riesigen Radioteleskopen in Puerto Rico und in Kalifornien ins All. Ihre Hoffnung: ein „intelligentes“ Signal aus den Weiten des Kosmos aufzufangen. An hämischen Kommentaren zu dem Hundert-Millionen-Dollar-Projekt hat es nicht gemangelt. Kaum jemand scheint sich jedoch ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie wir auf ein außerirdisches Signal reagieren würden. Wären Skeptiker damit zu überzeugen? Wer übersetzt uns die intergalaktische Botschaft? Ist sie als freundlicher Gruß oder als Kriegserklärung aufzufassen? Fragen über Fragen, vor denen bisher fast alle kapitulieren.

Reichlich hilflos klingt die Instruktion der Nasa, daß auf ein Signal so lange nicht reagiert werden soll, bis „angemessene internationale Konsultationen“ stattgefunden haben – wer soll da konsultiert werden? Unser Bundeskanzler? Der Papst? Oder Ufologen und Science-fiction-Autoren? Wirklich Bescheid zu wissen scheint nur der Astronom Frank Drake, der in den sechziger Jahren als erster extraterrestrische Radiosignale suchte. In einem jüngst erschienenen Buch schreibt er den Außerirdischen etwa die Fähigkeit zu, uns das Geheimnis der Unsterblichkeit zu verraten.

Der wackere Frank (nicht Francis) Drake ergriff auch schon 1974 die Initiative und schickte selbst ein codiertes Signal in Richtung Universum – zum Entsetzen all jener Wissenschaftler, die von den Extraterrestrischen nicht nur Gutes erwarten. Antwort hat Drake bislang noch keine bekommen, kein Wunder bei den kosmischen Entfernungen. Immerhin hat er aber als erster seine Disziplin auf einen mathematisch verläßlichen Boden gestellt und schon einmal die Anzahl jener Zivilisationen ausgerechnet, die in unserer Galaxie sowohl kommunizierfähig als auch -willig sind (N=R×fp×n e×f l×fi×fc×L). Leider sind sich die Experten über die einzelnen Faktoren (beispielsweise L., die durchschnittliche Lebensdauer intelligenter technologischer Zivilisationen) so uneinig, daß das Ergebnis je nach Annahme zwischen null und einer Million schwankt.

Doch solche Schönheitsfehler beirren die modernen Helden der Radioastronomie wenig – auch nicht die Frage des Kernphysikers Enrico Fermi: „Wenn außerirdische Wesen existieren, warum sind sie dann nicht schon hier?“ Zehn Jahre lang wollen sie im Umkreis von hundert Lichtjahren den Mikrowellenbereich nach unerklärlichen Zeichen absuchen. Wir sollten uns wirklich langsam Gedanken machen, was da auf uns zukommt. Evolutionstheoretiker lehren uns, daß wir über keinerlei Wissen darüber verfügen, wohin der Weg einer außerirdischen Evolution führen würde; denn wir kennen immer nur eine einzige Form von Leben, nämlich unsere eigene.

Was also, wenn wir uns zum Beispiel plötzlich einer Galaxie von morsenden Salatköpfen gegenübersähen? Wie könnten diese unserem Erdendasein weiterhelfen? Bei den Stichwörtern „Erde“ und „Salat“ beginnt im übrigen ein schrecklicher Verdacht zu keimen: Möglicherweise wollte Enrico Fermi mit seiner Überlegung die Außerirdischen gar nicht ableugnen? Wenn sie existieren, warum...? Sie sind schon hier! Ein Blick in den Gemüsegarten genügt, uns zu überzeugen. Und versteht jemand die Botschaft seiner Salatköpfe?

Ulrich Schnabel