Die Katalanen sonnen sich in der Überzeugung, die besseren Spanier zu sein. Deshalb lassen sie keine Gelegenheit aus, ihre nationalen Eigenheiten herauszukehren

Von Heinrich Adams

Katalonien beginnt dort, wo es sauber wird. Diese Veränderung registriert der Reisende, der aus dem spanischen Süden kommt und die ungepflegte Landschaft Almerias und Murcias hinter sich gelassen hat, zuallererst.

Ein anderes Phänomen, auf das er unverzüglich stößt, ist ein linguistisch-politisches. Dem Arglosen, der einen Katalanen auf Spanisch anzusprechen wagt, antwortet dieser – keineswegs ärgerlich – auf Katalanisch. Damit entspinnt sich eine zweisprachige Konversation, in deren Folge der Spanier den Katalanen mehr oder weniger, der Katalane den Spanier aber perfekt versteht. Das wirklich Überraschende liegt jedoch darin, daß der Katalane dem Spanier überhaupt antwortet, anstatt so zu tun, als verstehe er kein Wort castellano.

Obwohl sich die Katalanen als eigene Nation begreifen und sich mit aller Macht vom dunklen, schaurigen Spanien zu unterscheiden trachten, zerschneiden sie nicht das kommunikative Band. Dem argwöhnischen Reisenden kommt der Verdacht, daß die Katalanen staatliche Unabhängigkeit gar nicht wirklich wollen, sondern daß es ihnen eher darum geht, ihren Nationalismus, der eigentlich ein Regionalismus ist, in Madrid als Handelsware zu verkaufen. Nirgendwo sonst in Spanien sieht man auch so viele Autos mit dem Nationalitätskennzeichen „E“ für Espana wie in Katalonien.

Mitten durch die südlich von Barcelona gelegene Stadt Tortosa fließt der Ebro. Die hochgelegene maurische Festung und christkönigliche Residenz La Suda sowie Klöster und Paläste um die wehrhaft wirkende gotische Kathedrale stammen aus einer Zeit, die jenen Jahren folgte, in denen Templer, Pisaner und Genuesen Tortosa zur Beherrscherin der Küste aufsteigen ließen.

Während des Spanischen Bürgerkrieges kam es in der zweiten Hälfte des Jahres 1938 in Tortosa zu einer entscheidenden Schlacht. Nach viermonatigen Kämpfen siegten die Franco-Truppen über die Verteidiger, auf deren Seite sich neben den Republikanern unter anderem auch Freiwillige aus ganz Europa engagierten. Mit diesem Durchbruch am Ebro-Delta gelang Franco die Eroberung Kataloniens.