Immer wenn in der DDR Kartoffeln, Kohl und Rüben knapp wurden, überwies die Regierung das Problem an die Statistiker. Die buchten dann einfach die gewichtigen Melonen vom Obstauf das Gemüsekonto – schon stimmte der Plan wieder.

Das Beispiel aus Walter Krämers Buch bestätigt die bekannten Vorbehalte gegen Zahlenbeweise. Doch der Autor, Professor für Statistik in Dortmund, nimmt seine Zunft in Schutz: Zwar könne man mit der Statistik die Realität verzerren; Zahlen könnten aber auch aufklären – „man muß sie nur verstehen“.

Sein Buch solle, so Krämer, die Leser in die Lage versetzen, im „Informationsdschungel unserer Zeit“ die richtigen Wege zu finden: weg von der Manipulation, hin zum korrekten Umgang mit Zahlen. Und so erklärt der Experte die methodischen

Grundlagen seines Fachgebiets und streift die wesentlichen Bereiche der Wirtschafts- und Sozialstatistik: Wachstumsraten und Indizes, Volkseinkommen und Sozialprodukt, Mortalität und Bevölkerungswachstum.

Im Gegensatz zu den Themen präsentieren sich die Inhalte angenehm unakademisch. Die „Gebrauchsanweisung“, so der Untertitel, ist sehr einfach geschrieben und verzichtet fast völlig auf Fachausdrücke und Formeln. Wer die Grundrechenarten beherrscht, wird auch die Beispiele nachvollziehen können.

Das Buch zeigt aber nicht nur Rechenwege, und darin liegt sein Wert. Krämer nutzt jede Gelegenheit, um die Methoden der Statistik auf alltägliche Probleme anzuwenden. So geht es weniger um Korrelation und Kovarianz als um Ideen für gerechte Steuern und die Frage, warum sich die Inflation stärker auf das eigene Portemonnaie auswirkt als auf den Preisindex.

Wie schwierig es ist, die Realität in einer Statistik abzubilden, zeigt sich etwa am Beispiel der sogenannten Sterbetafel. Aus ihr läßt sich die durchschnittliche Lebenserwartung errechnen: Für Männer liegt sie bei 72,2 Jahren, Frauen werden im Schnitt 5,7 Jahre älter.