Kritikern des Standorts Deutschland kommt die Nachricht wie gerufen: Die Arbeiter hierzulande sind nicht produktiv genug, ihre amerikanischen und französischen Kollegen schaffen pro Kopf mehr Wohlstand.

Schon rattert die Argumentationskette: Deutsche Arbeiter machen zuviel Urlaub, haben zu hohe Löhne, sind nicht motiviert und, und, und. Doch Moment mal. Vor uns in der Rangliste stehen die von Rezession, Lohneinbußen und riesigen Staatsdefiziten gebeutelten Amerikaner sowie die Nachbarn westlich des Rheins. Aber was ist mit den Japanern, den Königen des postindustriellen Zeitalters? Die rangieren weit hinter der alten Bundesrepublik, ebenso die Schweizer.

Solche Rechnungen sind also mit Vorsicht zu genießen. So enthalten die Produktivitätsvergleiche auch den Dienstleistungssektor. Der ist in Amerika – verglichen mit Deutschland und vor allem Japan – zwar besonders hoch entwickelt und gut organisiert; doch seine Produktivität sagt über die Qualität der Industrie wenig aus. Außerdem basieren die Zahlen, damit sie vergleichbar sind, immer auf bestimmten Wechselkursen. Die ändern sich – und mit ihnen die Ergebnisse.

Fazit: Es mag einiges nicht stimmen am Standort Deutschland. An den Produktivitätsvergleichen läßt sich das aber nicht festmachen, he