Alleine Ski laufen macht keinen Spaß. Deshalb läuft man in Gruppen, am besten in einem Skikurs. „Non skiae, sed vitae discimus“, man lernt nicht nur besser Ski fahren, sondern auch seine Mitmenschen besser kennen. Um Anfällen von Misanthropie vorzubeugen, sollten Sie sich mit den gängigsten Typen vertraut machen.

Die Mutige, Ex-68erin, die sich im angeheirateten Luxus eine komfortable Überlebensnische erkämpft hat. Als ehemalige Turnlehrerin weiß sie theoretisch alles besser, was nur den Skilehrer nicht weiter stört. Fehlende Technik ersetzt sie geschickt durch Gelenkigkeit und Mut. Die Kursrangliste der spektakulärsten Stürze führt sie unangefochten an.

Der Manager fällt als erfolgsgewohnter Dynamiker von einer Irritation in die andere, da seine sonst angewandten Methoden hier nicht greifen. Auch seine im Fabrikverkauf günstig erworbene Topausrüstung hilft nicht weiter. Etwas Luft verschafft er sich durch Delegieren seiner Fahrfehler, da seine Stürze grundsätzlich vom Vorder- oder Hintermann, vom Hang, dem Schnee und so weiter verursacht werden. Hervorragende Verdienste erwirbt er sich beim Organisieren von Sitzgelegenheiten in überfüllten Jausestationen und im Aufgeben von Sammelbestellungen jeder Art. Er nimmt sich jedes Jahr vor, beinhart zu trainieren, um im nächsten Jahr endlich in eine höhere Klasse aufzusteigen.

Der Ehemalige erzählt immer, wie’s früher war. Der Schnee war besser (stimmt), die Hänge steiler (stimmt nicht), weniger Leute, weniger Lifte, mehr Tiefschnee, mehr Stimmung – es ließe sich beliebig fortsetzen. Er laboriert stets an irgendeiner Verletzung (Knie, Hexenschuß, Schultergelenk), läßt aber ahnen, daß er’s mal richtig konnte. Er ist devoter Anhänger der alten Arlberg-Schule, woran Sie ihn von weitem erkennen. Durst hat er (natürlich) wie früher.

Die Modehexe hat jeden Tag einen anderen Overall an, in der nach oben offenen Lagerfeldskala von sieben bis zehn. Sie ist mit allen Skilehrern der Region mindestens per du und läßt dies auch kilometerweit hören. Auf immer neuesten Exklusiv-Skimodellen zeigt sie erstaunliche Klasse. 28 Jahre Skikurs gehen nicht spurlos an einem vorbei. Aufsteigen ist nicht ihre Sache, deshalb finden Sie ihresgleichen nur in liftmäßig total erschlossenen Skigebieten. Sie ist aber in jeder Gruppe gerne gesehen, da sie qua Optik eine gewisse Sicherheit bei Nacht und Schneebrett garantiert.

Der Schweiger ist technisch top, modisch ein Flop. Fährt immer noch in zu engen Jethosen, dafür aber einen gepflegten Stil. Wohnt im Privatquartier und hat eine Vesper dabei, die er leuchtenden Auges gerne mit allen teilt. Geht mit dem Skilehrer als letzter in die Gondel, um oben als erster auszusteigen. Nicht erwiesen ist, ob sein permanenter Lippengletscherbrand vom Schweigen herrührt oder dessen Ursache ist.

Die Drängier, ob Frau oder Mann, sind die ausgewiesenen Nervensägen. Beim Liftanstehen, Wärmedecken holen oder an der Selbstbedienungstheke – sie sind allgegenwärtig. Beim ersten Anzeichen einer Wolke drängeln sie in die Kneipe zu einer Pflümlirunde. Ihr skifahrerisches Können entfaltet sich erst im five o’clock-Bereich. Dort aber grandios. Einziger Lichtblick: Ob ihres profihaften Nachtlebens kommen sie oft erst am Nachmittag in den Kurs.