Von Dirk Kurbjuweit und Fritz Vorholz

Bernhard Stellmacher für einen Verrückten zu halten, nur weil er das erste Deutsche Bananenmuseum gegründet hat, wäre ein etwas oberflächliches Urteil. Der Industriedesigner aus Sierksdorf an der Ostsee muß ganz im Gegenteil als weise gelten, erkannte er doch frühzeitig die ungeheure Bedeutung, die Bananen insbesondere in Deutschland gewinnen würden. Seit Monaten darf Stellmacher sich nun bestätigt fühlen, denn es tobt der Bananenkrieg in der Europäischen Gemeinschaft, und sogar Bundeskanzler Helmut Kohl hat schon seine „große Sorge“ in dieser Angelegenheit ausgedrückt.

Wer sich länger mit Stellmacher unterhält, findet es irgendwann ganz normal, daß dessen Schäferhund Banano heißt. Und man gewinnt Verständnis für den Papageien in der Küche, der ein Wort ganz besonders liebt und deshalb häufig ruft. Bananen sind eben außergewöhnliche Früchte, die wohl als einzige Leidenschaft wecken können.

Bananen schmecken einfach gut, weshalb es auch beim Gespräch in Stellmachers Wohnzimmer keine gab; die Familie hatte schon vorher den Tagesvorrat aufgegessen, Stellmacher zum Beispiel seine gewohnte Ration von zwei bis drei Stück. Aber es ist wohl doch die Form, die der Banane entscheidend zu Popularität verhilft. Während der Papagei also penetrant sein Lieblingswort krächzt, scheut sich Stellmacher nicht, offen auszusprechen, worum es wirklich geht: um Erotik natürlich; weckt die Form doch eindeutige Assoziationen, was noch unterstützt wird durch den von Stellmacher beschriebenen Umstand, daß die Banane aus zunächst hängender Position schräg nach oben wächst.

Das führt dann direkt ins Museum, wo die Abteilung „Erotika“ besonders beliebt ist. Allerhand Gegenstände finden sich hier, die sich die Form der Banane zunutze machen, um Lust zu steigern. Aber es soll nicht der Eindruck entstehen, als ginge es nur um das eine. Das Museum hat viel mehr zu bieten, einige tausend Dinge wohl. So gibt es kaum ein Gebrauchsgut, daß nicht auch in Bananenform produziert wurde, vom Flaschenöffner über das Telefon bis zum Fahrradsattel. Und auch die Kunst ließ sich von der Banane zu einer Vielzahl von Bildern und Plastiken anregen.

Wer noch immer glaubt, Stellmacher sei nicht recht bei Sinnen, nur weil er sich viel mit Bananen beschäftigt, der sollte sich erst in europäischen Amtsstuben umsehen. Da wären zum Beispiel Achim Viereck in Bonn, Gérard Charbonnier in Paris, Javier Sansa in Madrid oder Anne-Marie Je Pascale-Bréart in Brüssel, deren Tag sich zum größten Teil um Bananen dreht. Und während man sich bei Stellmacher fragt, ob da nicht doch ganz leise ein Auge zwinkert, so sind die erwähnten Beamten stets mit Bierernst bei der Sache.

Geht es doch darum, ob in Deutschland Bananen auch weiterhin billig aus Lateinamerika eingeführt werden oder ob die EG zum Wohl kanarischer und karibischer Bananenbauern Handelsschranken aufbaut. Also geht es um nicht weniger als den europäischen Binnenmarkt und darüber hinaus sogar um Welthandel und Gatt. An der Banane hängt mehr, als je einer geahnt hätte, im Ausnahme Stellmachers natürlich.