In den deutschen Börsensälen wird jeder noch so vage Hoffnungsschimmer begrüßt, der eine Stabilisierung der wieder ins Rutschen geratenen Aktienkurse verspricht. So richtet sich seit der Präsidentenwahl die Aufmerksamkeit auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik in den Vereinigten Staaten. Die deutschen Börsianer setzen darauf, daß wirtschaftliches Wachstum in Amerika sich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres, spätestens aber 1994 auch in Deutschland positiv bemerkbar machen wird.

Bis dahin habe der deutsche Aktienmarkt jedoch noch eine Durststrecke zu überwinden, wird prognostiziert. Allenfalls sollten sich private Anleger um erstklassige Nebenwerte kümmern, die in guten Börsenzeiten nur zu Höchstpreisen erhältlich sind. Dazu gehören zum Beispiel die Aktien der Hypothekenbanken, die das Jahr 1992 mit guten Ergebnissen abschließen und die auch im kommenden Jahr ein Wachstum erwarten. Von einigen Instituten wird sogar die Ausgabe von Berichtigungsaktien erwartet, auch wenn das Neugeschäft seit kurzer Zeit ins Stocken geraten ist.

Entscheidend für die Zukunft der deutschen Börse dürfte die weitere Zinsentwicklung sein. Nach dem geradezu sensationellen Zinsrückgang bei den festverzinslichen Papieren ist zunächst eher mit einer Gegenbewegung zu rechnen, zumal der Milliardenzufluß aus dem Ausland in die Mark deutlich nachläßt. Zahlreiche Rentenhändler raten ihrer Kundschaft, frei werdende Gelder wieder in Termineinlagen oder in Renten mit kurzer Restlaufzeit zu parken, bei denen es praktisch kein Kursrisiko gibt. Von der Bundesbank wird indes wegen der nach wie vor hohen und eher noch steigenden Inflationsrate keine Lockerung erwartet.

Für die professionellen Aktienanleger bleibt die Hoffnung auf steigende Kurse zum Jahresschluß, wenn es für professionelle Vermögensverwalter darauf ankommt, eine möglichst gute Jahresperformance vorzuweisen. Ob die dann einsetzende Kurspflege Erfolg haben wird, hängt aber von den Ausländern ab, die sich in den vergangenen Wochen eher auf der Verkäuferseite befunden haben. Die nahezu täglichen Meldungen über reduzierte Gewinnschätzungen hinterlassen ihre Spuren. Sie schaffen auch dann kein Anlageklima, wenn sich manche Prognose als zu pessimistisch erweisen sollte. K. W.