Von Norbert Kostede

München

Keiner will Populist sein, selbst Max Streibl nicht. "Populismus von links", so kanzelte er in der vergangenen Woche seine Kritiker ab. Sie hatten dem bayerischen Ministerpräsidenten und der gesamten CSU-Prominenz "Rechtspopulismus" vorgeworfen, weil diese an der für Sonntag geplanten Berliner Demonstration gegen die Ausländerfeindlichkeit nicht teilnehmen wollen.

Keiner will Populist sein, selbst Peter Gauweiler nicht. "Populismus: Was ist das?", fragt der bayerische Umweltminister, als er auf seine einschlägigen Talente angesprochen wird: Wer Asylbewerber als Müllsammler beschäftigen will oder eine gemeinsame europäische Währung als "Esperanto-Geld" abqualifiziert, der scheint doch, auch wenn er das Etikett ablehnt, die Methode recht gut zu beherrschen.

Es sollte sich niemand von bajuwarischen Kraftakten täuschen lassen: Die CSU steckt in einem nahezu ausweglosen Dilemma. Seit Jahrzehnten in der Regierungsverantwortung, versucht die Partei verzweifelt, sich gleichzeitig als volkstümliche Opposition gegen das "Bonner Politbiotop" (Gauweiler) zu profilieren. Ein schwieriger Spagat, um die Macht in München und Bonn zu sichern. Gelingt es der CSU nicht, nationalistische Ressentiments, Ärger über Asylbewerber und den Groll der Stammtische "gegen die da oben" abzufangen, werden sich Franz Schönhubers Republikaner demnächst vielleicht als Zwanzig-Prozent-Partei rechtsaußen etablieren können.

Populismus: Was ist das? "Es gibt grundsätzlich zwei Arten", meint der Gießener Politikwissenschaftler Claus Leggewie: "Entweder handelt es sich um soziale Protestbewegungen von unten, wenn es zu Repräsentationskrisen parlamentarischer Systeme kommt. Oder es handelt sich um politische Mobilisierung von oben: Alle großen Parteien mußten populäre Werte und Sehnsüchte zuspitzen und in ihre Programmatik und Werbung aufnehmen, damit aus ihnen überhaupt Volksparteien werden konnten." Franz Josef Strauß zum Beispiel konnte das meisterhaft. Ohne diesen Populisten hätte die CSU in Bayern kaum den Mythos der ewigen Regierungspartei erlangen können.

Der Siegeszug der Grünen Anfang der achtziger Jahre gilt als Sieg des "Populismus von unten". Die alten Parteien waren nicht in der Lage, Ängste vor atomarer Aufrüstung und industrieller Umweltzerstörung zu zerstreuen. Von Bürgerinitiativen und einer allgemeinen Kritik an der "Unfähigkeit der etablierten Parteien" getragen, eroberten die Grünen ein Parlament nach dem anderen.