In jenem Fall hatte eine katholische Kirchengemeinde einer geschiedenen Frau eine Dreizimmerwohnung vermietet und ihr ebenfalls das Zusammenleben mit einem Partner verbieten wollen.

Man möge die Urteilsbegründung aus Hamm doch vollständig lesen, bat der Anwalt des Kollegiatstifts; die Kirche müsse ein solches Mietverhältnis demzufolge nämlich nur im "unauffälligen Durchschnittsfall" dulden. Hier in Regensburg, in einem "pfarrhofartigen" Anwesen, lägen die Dinge anders, und die Kirche würde sich unglaubwürdig machen, nähme sie "derartige Zustände" hin.

Vergeblich fragte die Frau, ob nicht auch die Barmherzigkeit einem konkreten Menschenschicksal gegenüber zu den "ethischen und moralischen Grundsätzen" christlicher Tradition gehöre. Vergeblich legte ihr Anwalt medizinische Attests vor – unter anderem den ärztlichen Hinweis, die Mieterin sei "bei der Art ihrer Leiden dringend auf menschliche Zuwendung durch partnerschaftliche Kontakte angewiesen". Vergeblich gab er zu bedenken, das Gebot der Nächstenliebe müsse die Aufnahme des behinderten Partners "geradezu erwünscht" erscheinen lassen.

"Selbstverständlich", ließen die geistlichen Herren erwidern, sehe man solche Hilfeleistungen "nicht als negativ" an, "im Gegenteil"! Es müsse aber klar sein, "daß alles zu seiner Zeit und am rechten Ort zu geschehen hat". Die Mieterin habe sich unter Vorspiegelungen falscher Tatsachen eine billige Wohnung besorgt – in der erklärten Absicht, ihren in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Freund dort aufzunehmen. Denn der hätte, "falls er sich bemüht hätte", problemlos eine geeignete Wohnung für sich gefunden, in der seine Lebensgefährtin ihre "Samariterdienste" hätte leisten können.

Der Amtsrichter folgte dieser Argumentation. Jeder Mieter könne zwar darüber bestimmen, mit wem er sein Leben teilen wolle, ohne Rücksicht auf Moralvorstellungen von Vermietern oder Mitbewohnern. Bei Mietobjekten eines bestimmten Charakters sei so ein "Erlaubnisvorbehalt" jedoch akzeptabel, und in diesem Fall sei zwischen den Interessen des Vermieters und des Mieters abzuwägen.

Das Paar muß bis zum 31. Dezember ausziehen. Christian Feldmann