Herr Schneider, im Gegensatz zu vielen anderen Branchen verzeichnet die deutsche Tourismusindustrie zweistellige Umsatzsteigerungen. Was ist los?

SCHNEIDER: Es ist kein normales Jahr. Wir haben aufgeholt, was durch den Geschäftseinbruch im Golfkrieg verloren ging. Hinzu kam ein kräftiges Plus aus den neuen Bundesländern; dort buchten 75 Prozent mehr Urlauber eine Pauschalreise.

Sind die Reiseunternehmen unabhängig von der Konjunktur?

SCHNEIDER: Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, daß Urlauber mit einem Jahr Verspätung auf Wirtschaftsflauten reagieren. Im kommenden Jahr werden die Zuwächse maximal noch zwei bis fünf Prozent betragen. Gespart wird wohl am Zweit- oder Dritturlaub, nicht aber an der Hauptreise.

Die Konzentration in der Branche nimmt zu. Bestimmen bald ein paar Reisekonzerne das Geschäft?

SCHNEIDER: Die Entwicklung ist deutlich. Fluggesellschaften wie LTU, die Milliarden in ihre Flotte investiert haben, müssen ihren Absatz sichern. Das funktioniert nicht mehr wie in den vergangenen dreißig Jahren über einen ständig wachsenden Markt.

Was heißt das für die Unternehmen?