Es läßt sich dem Volk nicht mehr verheimlichen, daß die Wirtschaft eine komplex schwankende Sache ist und daß jetzt alles erst mal runtergeht. Hinunter also. Es kommt, so versichern die Beobachter, der Spätherbst und mit ihm die Rezession.

Nun kann man sich vorstellen, welche Freude hier die Nachricht auslöste, daß es mit einer Sache in Deutschland schon wieder aufwärts geht, nämlich mit dem Wohnungsbau.

Eben ist in Hamburg ein tolles Haus fertig geworden. Es besitzt 74 Wohnungen und steht in der Hamburger Innenstadt, nahe den Kavernen voll von Sekt und Meeresfrüchten, die das Shoppingwesen in die Stadt getrieben hat; die Oper liegt ums Eck. Das Haus ist, so versichern die Investoren, "Deutschlands erstes Doorman-Haus". Das stimmt, und das ist ja phantastisch.

Denn was ist ein Doorman-Haus? Es ist nicht, wie Verteidigungsexperten meinen, nach dem holländischen Konteradmiral Karel Doorman getauft, der als Held vor Java starb beim Versuch, eine japanische Invasion zu stoppen. Der Name stammt vielmehr vom doorman als Beruf, jener Art von Türsteher, welcher in London und New York vor Appartementblocks wacht, worin die bessere Gesellschaft wohnt; freilich ließe die Uniform einen Konteradmiral vermuten, hielte der Mensch nicht allen Eintreffenden die Autotür auf.

Das erste Wohnhaus in Deutschland also, das von einem Doorman behütet wird, schmeichelt laut Bauherrn einem "hohen Wohnanspruch", und 2000 Mark für 50 Quadratmeter – oder 7500 für 160 – scheinen gerecht im Angesicht des Exquisiten, von "Sicherheit und Service", Tresoren in allen Wohnungen und verchromten Gepäckkarren im Foyer. Rund um die Uhr kümmert sich die Doormannschaft um Opernkarten, Werkstatt-Termine und Pillen aus der Nachtapotheke, falls der Schuh doch einmal drückt.

Wie kann es sein, daß dies so schön läuft, während sonst alles nach unten geht? Das ist leicht beantwortet. Sagt doch schon die Schulweisheit, daß die Wirtschaft wie eine Welle ist. Sie bewegt sich immer auf und ab, ohne daß wir Tröpfchen auch nur ein wenig vorankommen – von Ausnahmen abgesehen, und das sind die Leute in der Schaumkrone, wo Kräuseln und Perlen am Platze ist. Und so steht das Doorman-Haus dort, wo 1979 die Städtebauer Sozialwohnungen vorsahen. Wollte nur keiner bauen, Pech.

Mit einem fröhlichen Ja zur vertikalen Differenzierung also stimmte sich die Stadt auf die Eröffnungsfeier ein, einen Empfang im venezianischen Stil, den die Investoren organisierten.