Von Jochen Boettcher

MARBURG. – sapperlot! Der Hörsaal bebt vor Lachen. Dabei ist mir der Satz nur herausgerutscht. Ich wollte sagen: "Die Schreinerei ist wichtig." Statt dessen kommt doch glatt "Die Schweinerei ist richtig." Freid läßt grüßen.

Hand aufs Herz: Wem bereiten Freudsche Versprecher kein diebisches Vergnügen? Gibt es sie auch in der Politik?

Eine Freudsche Fehlleistung ersten Ranges war der Fall der Berliner Mauer. Sie begann damit, daß das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski in einer Nachrichtensendung plötzlich einen Zettel in seiner linken Sakkotasche fand. Regierungserklärungen werden gewöhnlich aus feinen Kalbsledermappen gefingert. Es hieß, der Zettel stamme aus dem Politbüro; Schabowski habe ihn ungelesen verschwinden lassen und "vergessen". Ganz "zufällig" habe er ihn vor der Kamera hervorgezogen und zweimal umgedreht. Dann teilte Schabowski mit, daß ausreisewillige Bürger nun direkt und nicht auf dem leidigen Umweg über die Tschechoslowakei in die BRD und West-Berlin ausreisen können.

Zweite Fehlleistung: Die Menschen hörten das, was sie in unbewußter Bereitschaft hören wollten, nämlich das Signal zur Maueröffnung. Davon war mit keinem Wort die Rede.

Zwischen 19.00 und 22.00 Uhr tat sich an den Grenzübergängen gar nichts. Plötzliche Menschenmassen vor dem Übergang Bornholmer Straße irritierten dann die Kontrolleure.

Dritte Fehlleistung: Die Grenzposten erreichten niemanden am anderen Ende der Telephonleitung, um sich Anweisungen geben zu lassen, wie mit den wartenden Menschen zu verfahren sei. Eine Unerhörtheit schlechthin. Wenn im Osten sonst ein Telephon eine todsichere Verbindung ermöglichte, dann war es das Grenztelephon!