Kaum waren die Seidentücher auf dem Markt, kaufte Yves Saint Laurent die Dessins und schneiderte mit den Schweizer Marienkäfern ein Gilet für den Popstar Elton John. Die St. Galler Modefirma Akris bestellte Stiefmütterchen und Frühlingsblättchen von zwanzig Baumsorten, die Hamburger Designerin Jil Sander erwarb für ihre Frühlingskollektion 1992 eine Mixtur aus Nacktschnecken, Seesternen und Korallen.

Nun läuft alles rund, die Künstlerin Hesse, entpuppt und beflügelt, könnte sich zurücklehnen. Statt dessen reist sie nun als Einzelkämpferin auf eigene Kosten an die AKW-Unfallstätten Sellafield in England und Three Miles Island in den USA, sammelt Wanzen und berichtet aus Tschernobyl, daß das Betondach, das die radioaktive Strahlung aus dem Unfallreaktor eindämmen sollte, rutscht.

Von den Schweizer AKW-Betreibern verlangt sie, daß sie Art und Menge des radioaktiven Materials, der Strahlendosis und der in den Kernkraftwerken verwendeten Pflanzengifte offen deklarieren: "Ich bin der Meinung, die Wirkung von künstlicher Radioaktivität wird unterschätzt, sogar von Seiten der AKW-Gegner." Sie unterstützt Bestrebungen, den Atommüll überirdisch zu lagern: "Nur nicht verscharren, sonst wird er vergessen." Und dann würde Cornelia Hesse gerne wissen, weshalb so vielen ihrer geliebten Wanzen in AKW-Nähe die Fühler abfallen: "Die Wanzen stehen am Anfang der Nahrungskette, sie nehmen gestrahlte Pflanzenteile auf. Was wissen wir schon über die Schäden und ihre Folgen?"

Nebenbei hat sie den Anstoß gegeben, die Herstellung von Reisetaschen, Sportsäcken und Handtäschchen mit ihren Dessins so umweltschonend wie möglich zu gestalten. Die Schweizer Warenhauskette Globus ließ auf ihren Wunsch hin Rohstoffe und Verarbeitungsmethoden prüfen. Das Resultat: "Alles aus dem Umweltverträglichsten, was zur Zeit greifbar war" – unter dem Label Cornelia Hesse-Honegger Exclusive Globus. Die Zeichnungen: Schmetterling, Libelle, Frosch, Käfer, Schnecke. Und selbstverständlich eine Wanze, als stilles Mahnmal für den Zustand unserer Natur.

Damit nicht genug. Bei der Hausfrau Hesse aus Gockhausen wurde kürzlich angefragt, ob sie eine Dozentur an einer deutschen Universität übernehmen würde. Wenn alles klappt, wird sie im Wintersemester Mainzer Studenten im naturwissenschaftlichen Zeichnen unterrichten.