Von Ruth Herts

Bob Conolly, Manager bei Ok Tedi Mining Limited (OTML), reißt die Arme in die Luft: "Wir haben die Leute aus dem Busch geholt. Unser Betrieb brachte Fortschritt und Entwicklung in diese Region. Und wir tun viel Gutes für die Menschen: Die Säuglingssterblichkeit ist enorm gesunken, wir haben das beste Krankenhaus der Region, und wir bieten 3000 Menschen Arbeit!" Außerdem seien die Erlöse für Kupfer und Gold aus der Mine für Papua-Neuguinea derartig wichtig, daß "das ganze Land auseinanderbrechen würde, wenn es uns nicht mehr gäbe".

Die Western Province des pazifischen Inselstaates, so heißt es auch von der Regierung in Port Moresby, sei die ärmste und am wenigsten entwickelte Region des Landes. Ist es also ein Glücksfall, daß ein amerikanischer Bergbaukonzern im dichten Regenwald am Ende der Welt vor über zwanzig Jahren ein riesiges Vorkommen von Gold und Kupfer gefunden hat, deren Ausbeutung nun im Firmenprospekt von OTML die einheimischen Papuas vom Stamm der Wopkaimin fröhlich lachen läßt?

Als Jäger und Sammler, die sich aus dem Ok-Tedi-Fluß Fische holten und an seinem Ufer Sagopalmen, Yamswurzeln und Gemüse in Gärten kultivierten, hatten die Wopkaimin die letzten Jahrhunderte oder gar Jahrtausende verbracht. In einer vom westlichen Denken nicht verstandenen Art und Weise haben sie im Einklang mit ihrer natürlichen Umwelt gelebt. Die dröhnende Dampfwalze des Industriezeitalters in Gestalt einer der größten Kupfergruben der Welt überfuhr sie jäh.

Am Anfang der Entwicklung, Ende der sechziger Jahre, nahmen die Papuas vom Wopkaimin-Stamm begierig alles auf, was die weißen Männer, die Geologen des amerikanischen Bergbaukonzerns Kennecott, ihnen brachten: T-Shirts, Sonnenbrillen, Stahläxte und Bier. Schon von den kanadischen Missionaren hatten die Wopkaimins gelernt, daß der weiße Mann gut und ehrlich ist und den Fortschritt bringt. Doch die Fremden brachten nicht nur Gutes. Sie schleppten Infektionskrankheiten ein, auf die das Immunsystem der Papuas nicht eingestellt war: An der Amöbenruhr waren kurz nach der Ankunft der neuen Zeit etwa sechs Prozent der Wopkaimin gestorben. Gegen westliche Nahrungsmittel, Medikamente, Geld und Bier traten die Papuas ihr Gemeinschaftsland an Kennecott ab. Mißgunst und Streit zwischen den "Landbesitzern" und den Stämmen, die leer ausgingen, brachen aus. Beschäftigung, Ausbildung und Gesundheitsdienste jedoch wurde allen versprochen, damit ihre harte und entbehrungsreiche Existenz, wie sie aus dem Firmenprospekt lernen, ein Ende haben möge.

Doch nicht nur ihr körperliches, sondern auch ihr kulturelles Immunsystem versagte bald nach der Ankunft der Bergbaukonzerne. Die Trennung in Männer- und Frauenhäuser gaben die Wopkaimin rasch auf, traditionelle Riten, geheime Bräuche und Kultstätten spülten der Alkohol und das Geld fort. Besonders die jüngere Generation nahm schnell die frohe Botschaft der westlichen Wohlstandsgesellschaft auf: Coke is it, Michael Jackson und daß man Glück kaufen kann. Über die eigenen rückständigen Verwandten macht man sich lächerlich, kulturelle Traditionen als Symbol des "überwundenen" Zeitalters werden abgelehnt oder gar bekämpft. "Spakman" (von dem englischen Slangwort sparked für betrunken) nennen sich stolz die jungen Wopkaimin-Männer, die regelmäßig und exzessiv Bier trinken. Alkohol ist den Papuas in ihrer eigenen Kultur völlig fremd.

Der Bergbaubetrieb hat eine enorme Sogwirkung auf die jungen Arbeitskräfte der Region bis weit in andere Landesteile hinein entwickelt. Die Abwanderung des männlichen Nachwuchses, der traditionellen Stützen der Stammesgemeinschaft, verursacht enorme soziale und wirtschaftliche Probleme in den Siedlungen, wo Frauen, Kinder und alte Männer nun für die Landwirtschaft und das Jagen ohne diejenigen auskommen müssen, deren natürliche Aufgabe das bisher immer war. Die Minengesellschaft wiederum kann natürlich nicht all diesen geradezu magnetisch von dem Betrieb angezogenen Menschen Arbeit bieten; so hat sich am Rande der vom amerikanischen Baukonzern Bechtel errichteten Minenstadt Tabubil ein schäbiger Slum entwickelt, der erste und einzige der Western Province.