Der Krieg steht im Widerspruch mit der Kultur, deren wir uns rühmen, seine Beseitigung ist vom Standpunkt der Religion, der Sittlichkeit und der Volkswohlfahrt gleichmäßig geboten ... Eine Hauptwurzel des Krieges sind die aus altbarbarischem Hasse gegen Fremde stammenden Vorurteile und Leidenschaften ... In Wahrheit bilden die verschiedenen Nationen nicht feindliche Gegensätze, sondern einander ergänzende und fördernde Glieder der Menschheit. In der Tat ist die Solidarität der Kulturvölker so groß, daß die Schädigung des einen zugleich die Benachteiligung aller anderen Glieder der großen Menschenfamilie bedeutet."

Diese Sätze aus dem Programm der vor hundert Jahren, am 9. November 1892, gegründeten "Deutschen Friedensgesellschaft" mögen uns heute allzu treuherzig erscheinen, auch allzu sehr von eurozentrischer Sichtweise bestimmt. Sie waren gleichwohl mutig und weitblickend, bedenkt man die den deutschen Pazifisten damals entgegenstehenden mächtigen Zeitumstände. Und haben sie mit ihrem Atavismusvorwurf ihre Aktualität inzwischen eingebüßt? Daß Fremdenhaß – auch der heutzutage grassierende – ja, einfach die Weigerung, sich dem Fremden aufzuschließen, um es als Bereicherung zu erleben, den Nährboden für Krieg abgeben kann – wer wollte es nach den Erfahrungen unseres Jahrhunderts bestreiten?

Guido Grünewald ruft in einer an den entscheidenden Zäsuren verweilenden, mit Bildmaterial und Dokumenten reich ausgestatteten Darstellung die wechselvolle, oft von internen Zwistigkeiten wie von heftigen Kämpfen gegen eine widrige gesellschaftlich-politische Umwelt erfüllte Geschichte dieser ältesten deutschen Friedensorganisation in Erinnerung. Es war, wie auch in dieser Darstellung deutlich wird, oft ein Ringen mit dem Zeitgeist, der ganz andere und verhängnisvolle Wege ging und von den Postulaten der Pazifisten – Völkerverständigung, Abrüstung, Weltfrieden – nichts wissen wollte. Karl Holl

  • Guido Grünewald (Hrsg.):

Nieder die Waffen

Hundert Jahre Deutsche Friedensgesellschaft (1892 – 1992); Donat Verlag, Bremen 1992; 219 S., 24,80 DM