Unbelesen, unbelehrt

Die Zahl der Analphabeten ist auch in industrialisierten Ländern wie Deutschland höher, als viele glauben möchten. Mit einer Wanderausstellung von Alphabetisierungsplakaten will das Unesco-Institut für Pädagogik in Hamburg auf das als peinlich empfundene Problem aufmerksam machen. Je nach der Definition des Analphabetismus reichen laut Unesco bei bis zu drei Prozent der Erwachsenen die Lese- und Schreibfähigkeiten nicht für "ein Leben in der kulturellen Gemeinschaft" aus. Allein in der Weltstadt Hamburg leben nach vorsichtigen Schätzungen 40 000 bis 60 000 Menschen über fünfzehn Jahren, die nur rudimentär lesen und schreiben können. Die Zeiten, in denen der Analphabetismus als Folge fehlender Schulausbildung während der Kriegszeit heruntergespielt werden konnte, sind vorbei. Zu beobachten ist vielmehr, daß besonders junge Leute Lese- und Schreibhilfe in Kursen der Volkshochschulen suchen. Wirft das nicht Fragen an unser Bildungssystem auf?

Starke Frau

Zypern hat seine erste Universität gegründet. Für die 500 Erststudenten stehen 80 Lehrkräfte bereit. Den größten Zulauf hat die humanistische Fakultät mit Griechisch, Türkisch, Pädagogik und Soziologie, gefolgt von den Naturwissenschaften und der Ökonomie. Gründungspräsidentin ist die 62jährige Philosophin Nelly Tsouyopoulos, ehemalige Humboldt-Stipendiatin und seit vielen Jahren an der Universität Münster lehrend. 1989 war die gebürtige Zypriotin als einzige Frau in den neunköpfigen Gründungssenat berufen worden. Leicht habe sie es "unter acht internationalen Machos" nicht gehabt, fand sie, aber seit sie als junge Frau den griechischen Bürgerkrieg überstand, gibt es nicht mehr viel, wovor sie noch Angst hat. Ihrer Meinung nach ist es nur eine Frage des Mutes, "das zu tun, wovon man träumt". Sie hat es getan. Als sie zur Universitätseröffnung die Gäste aus aller Welt begrüßte, mußte sie vor Rührung weinen.