Verständlich ist es, vernünftig nicht: Vor seinem Ausscheiden im Mai kommenden Jahres möchte Werner Niefer, Chef der Daimler-Autotochter Mercedes-Benz, allzu gern noch einen positiven Schlußpunkt setzen – gerade weil er in letzter Zeit kaum Erfreuliches über sein Unternehmen berichten konnte. Absatzprobleme, Ertragseinbrüche, Kurzarbeit und Arbeitsplatzabbau haben das einst glänzende Image von Mercedes ebenso angekratzt wie das seines obersten Lenkers. Um sich selbst wieder ins vermeintlich rechte Licht zu rücken, will Niefer persönlich das Nachfolgemodell des Typs 190 als "sein Werk" der Öffentlichkeit vorstellen. Den Genfer Salon hält er deshalb für die passende Gelegenheit, weil diese Ausstellung im März 1993 stattfindet – vor seiner Pensionierung.

Doch Niefers Plan ist intern auf Kritik gestoßen. Auch sein derzeitiger Stellvertreter und Nachfolger auf dem Chefposten, Helmut Werner, plädiert dafür, das neue Auto erst im Herbst auf der IAA in Frankfurt zu präsentieren. Hauptgrund: Vor September kann der neue 190er nicht beim Handel sein. Wird er schon im Frühjahr vorgestellt, bremst er den Absatz des alten Modells beträchtlich, das ohnehin nur noch schwer zu verkaufen ist. Das bedeutete dann noch kostspieligere Rabattaktionen zu Lasten der bereits gedrückten Mercedes-Gewinne.

Das monatelange Tauziehen ist zu Ende: Der deutsche Luft- und Raumfahrtkonzern Dasa kann für etwa 800 Millionen Mark 51 Prozent des niederländischen Flugzeugherstellers Fokker übernehmen. Für Jürgen E. Schrempp, den Vorstandsvorsitzenden der Daimler-Tochtergesellschaft Dasa, ist diese Übernahme von großer Bedeutung. Mit dem Aufkauf von Fokker ist der Dasa, die sich so gern als ein europäisches Unternehmen apostrophiert, nun endlich die erste ausländische Erwerbung gelungen. Zudem entsteht damit unter dem Daimler-Firmendach der größte Luft- und Raumfahrtkonzern in Europa. Die Dasa, die zu 38 Prozent am europäischen Gemeinschaftsflugzeug Airbus beteiligt ist, gewinnt mit dem Kauf Zugang zum Markt für Regionalflugzeuge. Fokker baut Maschinen zwischen 50 und 130 Sitzen und ist am Weltmarkt als Marke gut eingeführt. Der Erwerb des Prestigeunternehmens wäre fast daran gescheitert, daß die Daimler-Manager die in den Niederlanden noch immer gegen die Deutschen bestehenden Emotionen völlig unterschätzten. Der schließlich doch geglückte Coup bringt Dasa-Chef Schrempp einen weiteren Pluspunkt im Rennen um die Nachfolge von Daimler-Konzernchef Edzard Reuter, der 1995 in Pension gehen wird.

Ihre letzte Chance, über eine Beteiligung an einer US-Fluggesellschaft im nordamerikanischen Markt stärker Fuß zu fassen, hat die Deutsche Lufthansa vorerst vertan. LH-Vorstand und Aufsichtsrat zogen ihr Beteiligungsangebot an Continental Airlines zurück

Offiziell begründete Lufthansa-Chef Jürgen Weber den Ausstieg mit der nicht ausreichenden Zeit, um die seit zwei Jahren unter amerikanischem Konkursrecht fliegende Fluglinie zu überprüfen. Den Ausschlag dürften jedoch unterschiedliche Auffassungen innerhalb des Vorstandes gegeben haben und die Furcht davor, sich in der prekären Situation der Lufthansa auf ein unwägbares finanzielles Abenteuer einzulassen. Weber hatte trotz aller Bedenken bis zuletzt für ein Engagement plädiert. Die Kooperation mit einem US-Partner, dessen Inlandsnetz auf dem wichtigen amerikanischen Markt für Anschlüsse an die Lufthansa-Transatlantikflüge sorgt und Passagiere bringt, ist für die Deutschen überlebenswichtig.

Continental war der einzig verbliebene denkbare Kandidat. Northwest ist bereits mit der holländischen KLM verbandelt, und eine Beteiligung von British Airways an USAir steht kurz vor dem Abschluß. Die amerikanischen Luftfahrtgiganten American; Delta und United kamen nicht infrage.

Sie haben ihr Streckennetz nach Europa selbst stark ausgeweitet. Zudem bestände die Gefahr, daß die Lufthansa als dann relativ kleiner Partner in einer Kooperation die zweite Geige spielen würde.