Griechenland ist als Reiseziel zweier sehr unterschiedlicher Interessen bekannt: Während die einen die Akropolis besteigen oder die Palastruinen von Knossos besichtigen, zieht es die anderen zum Inselhüpfen in die Ägäis. Kulturbeflissenen wie Sonnenhungrigen gleichermaßen ist das reale Griechenland zumeist ein Buch mit sieben Siegeln. Einen gelungenen Versuch, dem Abhilfe zu schaffen, bietet der Band von Klaus Gallas und Ulf-Dieter Klemm

  • Griechenland – 21 Annäherungen an ein dreitausendjähriges Reiseziel

Anabas Verlag, Gießen; 332 S., 36,– DM

Kenntnisreich und detailliert öffnen die Autoren den Blick auf das moderne Griechenland – ein Land, in dem mythische Erinnerungen ebenso gegenwärtig sind wie massive Umweltprobleme, Bauspekulation, eine krisengeschüttelte politische Landschaft oder das Aufbrechen patriarchalischer Gesellschaftsstrukturen.

In kurzen, gut überschaubaren Kapiteln macht das Buch den Leser mit der komplexen Realität des EG-Staates vertraut. Insgesamt ein wahres Kompendium: Das Spektrum reicht von der Entwicklung des griechischen Films, der Geschichte von Literatur und Musik über volkswirtschaftliche und politische Problematiken, der Organisation von Medien und Gewerkschaften bis zur Stadtgeschichte von Athen und dem weniger bekannten Thessaloniki im Norden des Landes.

Praktische Reisetips darf man sich von diesem Band nicht erhoffen; er richtet sich vielmehr an diejenigen, die sich schon vor der Reise ein genaues und vielschichtiges Bild von Griechenland machen wollen.

Was dieses Reisebuch darüber hinaus so faszinierend macht, ist, daß es einen ganz neuen – und in Wirklichkeit uralten – Blick auf das Reisen an sich wirft: Reisen nämlich nicht als Urlaub, sprich: Erholung begriffen, sondern als lebendiges Interesse am (europäischen) Nachbarn.

Katrin Ammon