Man muß die Lufthansa einfach gern haben, auf sie ist Verlaß. Wie sonst soll die Auskunft der Reisebüroangestellten zu deuten sein, die davon abriet, mit einer orientalischen Airline in die Türkei zu fliegen: "Wissen Sie, die Deutschen haben’s einfach besser drauf mit der Pünktlichkeit und dem Service." Immerhin: Auf dem Rückflug von Istanbul waren ausreichend Sonntagszeitungen vorhanden, um selbst im hinteren Raucherteil der branchenintern so genannten Holzklasse (Economy) angeboten werden zu können.

Und in einem dieser Blätter stand als Meldung zu lesen: Der "Lufthansa-Express" habe seinen Betrieb aufgenommen. Express? Express-Reinigung, Express-Lufthansa, Expresso – na und? In Frankfurt waren die Errungenschaften jener Neuerung flugs zu spüren. Endloses treppauf, treppab vom Terminal B zum Terminal A, kurz nach vier am Nachmittag, das übliche Theater am Frankfurter Flughafen eben, eine ewige Hetze durch die Gänge.

Der Flug nach Hamburg sollte um fünf Uhr abheben. Ankunft in Fuhlsbüttel: eine Stunde später. Das Einchecken müßte also beginnen. Irrtum: Nach einer Viertelstunde, so gegen Viertel vor fünf, meldet sich eine Mikrophonstimme und gibt bekannt, daß die Crew für den Flug an die Elbe noch nicht eingetroffen sei.

Auf den Plastikstühlen wird geraunt, Kinder mosern, und Mütter sind genervt. "Personaleinsparungen", bemerkt ein Rechtsprofessor aus dem Badischen angesichts des momentanen Lufthansa-Tiefflugs klug, "Chaos im deutschen Luftraum", witzelt eine bunthaarige Frau, und ein Aktenkofferträger grummelt etwas von "Bundesbahn". Inzwischen vermeldet die Digitalanzeige, daß von A 03 kein Flug nach Hamburg geht, sondem nach München: Irritation zwischen Bierschinkenbrötchen und frisch gefiltertem Kaffee.

Und dann eine Durchsage: "Der Flug nach Hamburg verspätet sich etwas, bitte haben Sie Verständnis." Kurze Pause, um dann eine Spur weinerlich nachzusetzen: "Das boarding beginnt, aber das Flugzeug steht nun ganz woanders, also müssen Sie erst mal in einen Bus." Was wir dann auch ergeben tun.

Doch der Anarchie kein Ende. Im Omnibus fragt ein aus Ibiza kommender Urlauber: "Geht’s hier nach München?" – "Nein", zischt die Lufthansa-Angestellte, "nach Hamburg, oder was weiß ich." Und unversehens bekommen wir eine Flughafenrundfahrt spendiert, denn der Busfahrer weiß auch nicht so recht, wo’s lang-, und vor allem: wo es hingeht.

Endlich: Zehn Minuten später und drei Kilometer weiter erreichen wir einen Flieger, der unzweifelhaft keine Boeing, wie angekündigt, sondern ein Airbus ist. Womit sich auch der pädagogisch wertvolle Hinweis erübrigt, daß die Reihen 1 bis 20 vorne und die Reihen 21 bis 42 hinten einsteigen möchten. Denn das Gefährt hat nur 32 Reihen und außerdem lediglich einen Eingang ganz vorne.