Wo viele Brandstifter am Werk sind, kann selbst der beste Schaumschläger allein nicht löschen. Milan Panić, der amerikanische Serbe, der als Ministerpräsident Restjugoslawiens emsig in dreißig Länder reiste, um guten Willen zu demonstrieren, ist zu Hause in Belgrad gescheitert. Die Koalition aus fanatischen Nationalisten und Altkommunisten stimmte ihn mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament nieder. Auch wenn er am Dienstag in der – paritätisch aus Serben und Montenegrinern zusammengesetzten – Länderkammer mit einer einzigen Stimme Mehrheit gerettet erschien, Panićs Ohnmacht ist besiegelt. Denn als Marionette seines Drahtziehers Milošević, des großserbischen Führers, hat Panić immer weniger funktioniert.

Er werde, um einen "Schlußstrich" zu ziehen, "die alte jugoslawische Fahne vor dem UN-Gebäude verbrennen", hatte er in der Wiener Presse angekündigt. Und einer japanischen Zeitung verriet er, daß er den Sturz Milosevics betreibe – durch Wahlen am 20. Dezember, "nicht mit der Armee". Dem albanischen Kosovo, das den Serben so "heilig" ist, daß sie es unterdrücken, versprach Panić Freiheit, bekam jedoch vom Albanerpräsidenten Rugova gleich die Quittung: "Der verspricht viel und hält nichts." Auch die UN-Vermittler Vance und Owen, die mit einer neuen Verfassung ins blutende Bosnien-Herzegowina kamen, bestärkte Panić in ihren Illusionen. Als ob – wie das Papier vorsieht – Frieden gestiftet werden könnte, indem man das Land in "autonome" Regionen aufteilt, und zwar in "ethnisch gemischte". Der Plan setzt also voraus, was bestenfalls die Folge seiner Verwirklichung sein könnte und auch dann ganz unwahrscheinlich wäre: daß Serben, Bosnier und Kroaten nach dem großen Morden weiterhin zusammenleben möchten.

Indessen wird überall weitergeschossen, sogar auf Flüchtlingskolonnen und Hilfstransporte. Die Eroberer jeglicher Nationalität brüllen in der gleichen Militärsprache "Sieg", der Serbe Karad-žić in Jajce, der Kroate Tudjman in Dubrovnik. Und der bosnische Präsident Izetbegovic fand einen arabischen Scheich, der für Bosnien zum "Heiligen Krieg" aufruft. Schon jetzt, vor dem Wintereinbruch, sterben täglich etwa 500 Menschen an Hunger und Kälte. Ein Unicef-Konvoi durfte nicht zu notleidenden bosnischen Kindern fahren, weil die Hilfsgüter in Serbien gekauft waren. Dort ist das Sozialprodukt bereits auf das Niveau armer afrikanischer Länder gesunken. Nur die Vorräte an Patronen und Granaten gehen nicht aus. Und die Phrasen der Politiker in aller Welt.

Ein angemessenes Wort fand Tadeusz Mazowiecki, der ehemalige polnische Regierungschef, der für die UN-Menschenrechtskommission Zeuge von Elend und Chaos wurde: Er nennt die Ohnmacht Europas "eine Schande".

Hansjakob Stehle