Von Christian Tenbrock

"Ich betrachte die Größe eines Unternehmens nicht als Schranke. Für mich ist lediglich das Management ein Problem." Alfred P. Sloan, der drei

Jahrzehnte lang bis 1956 an der

Spitze von General Motors stand

Ross Perot, wortgewaltiger Multimilliardär und bis in diese Woche Präsidentschaftskandidat in den Vereinigten Staaten, machte sich schon früher lustig: "Wenn ich eine Schlange sehe, töte ich sie. Das erste, was General Motors tut, wenn man dort einer Schlange begegnet, ist, einen Experten für Schlangen anzuheuern. Dann wird ein Komitee gegründet und das Schlangenproblem für ein paar Jahre diskutiert. Passieren wird aller Wahrscheinlichkeit nach überhaupt nichts." Mit beißendem Spott fügte Perot hinzu: "Man nimmt einfach an, daß die Schlange bisher niemanden gebissen hat. Also läßt man sie in Ruhe."

Heute darf sich der Texaner, der nach dem Verkauf seiner Software-Firma an den Detroiter Autobauer Mitte der achtziger Jahre zu den schärfsten Kritikern des GM-Managements gehörte, bestätigt fühlen. Der Riesentanker General Motors ist vom Kurs abgekommen und leck geschlagen. Der einstmals so profitable Industriegigant, der über Jahrzehnte das strahlendste Symbol amerikanischer Wirtschaftskraft war, macht die schwerste Krise seiner 74jährigen Geschichte durch. Will der größte Industriekonzern der Welt überleben, muß er sich ein kleineres und schlankeres Format verpassen.

Zum Tagesgespräch in den Vereinigten Staaten wurde General Motors in der vergangenen Woche, als Robert Stempel dem Fußtritt des GM-Verwaltungsrats zuvorkam und freiwillig den Chefsessel im Detroiter Hauptquartier räumte. Nur 27 Monate hatte er sich an der Spitze des Unternehmens gehalten. In dieser Zeit häufte der Konzern 6,44 Milliarden Dollar Verluste an – allein 4,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr, so viel wie kein amerikanisches Unternehmen jemals zuvor.