Ein Buch mit Format: 27 Zentimeter breit und 37 Zentimeter hoch. Das schafft Platz für eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Idee. Technische Objekte, von der mittelalterlichen Burg über Opernhaus und U Bahnhof bis zum Fischdampfer und zur Raumfähre, werden in großen Zeichnungen voll kleiner Details aufs Papier gebracht. Der Clou an der Sache: Angucken ist schön, reingucken ist besser. Stephen Biesty machts in seinem "Superbuch der technischen Wunderwerke" wie der Koch mit der Gurke. Er zerlegt die Objekte in viele feine Scheibchen, zersägt, was zusammengehört, sperrt alle Türen auf und wir können gucken. Richard Platt, ein besessener Tatsachenjäger, hat den technischen Salat mit lakonischen Texthäppchen garniert. Ob witzig, erklärend oder informativ, fast immer entsteht eine Kaskade von Aha Effekten und ein wirkliches Begreifen dessen, was man da vor sich hat. Wenn die Queen Mary ausgeklappt und aufgeschnitten mit 78 Zentimeter Länge vorm Betrachter liegt, dann wird die Dimension der ozeanischen Riesendame denkbar deutlich. Platts kurze Texte variieren das Thema der schwimmenden Stadt am Exempel, der enorme Aufwand an Material, an Energie und Personal, der schiere Luxus der von 3500 Menschlein bevölkerten Reisemaschine offenbaren sich im skurrilen Detail: "Die 30000 Glühlampen auf dem Schiff erforderten ständige Aufmerksamkeit. Eine Gruppe von Elektrikern war die halbe Nacht unterwegs, um ausgebrannte Glühbirnen auszuwechseln Und wenn der Elektriker, vom Schraubwerk ermüdet, seine Koje anvisierte, dann hechelte ihm auf dem Promenadendeck wahrscheinlich schon die erste Joggerin entgegen. Neun Tonnen Mehl und 75000 Eier an Bord, da mußte was getan werden! So kommt man ins Schmökern und Phantasieren mit diesem Buch und stößt immer wieder auf Neues. Der Running Gag ist eine unverkennbar britische Witzelei über technischen Fortschritt. Wo an der Burgmauer braune Streifen ganz rustikal vom menschlichen Druckausgleich künden (Ornament ist kein Verbrechen), arbeitet im Spaceshuttle eine ausgeklügelte Müllsammeleinheit mit Zentrifuge und Trockenkammer. Da mag inzwischen so mancher Klumpatsch durchs All fliegen. Organisches kommt mit zurück zu Mutter Erde.

Muß man das wissen? Nein, muß man nicht. Aber Interesse, den Dingen auf den Grund zu gehen, läßt sich nicht beckmesserisch eingrenzen, Relevanzkontrolldruck bitte nicht im Kinderbuch. Und was machen wir mit dem Panzer, einem sowjetischen T 34, 500 PS und ca. 50 kmh Spitze. Verzichten wir auf Grundsatzdebatten (Kinder wissen, daß es Panzer gibt), und halten wir fest, er ist drin - Lizenzausgabe seis geklagt , er ist olivgrün, hat mächtige Ketten, und stellen wir mit Richard Platt entsetzt fest, er hat: "Kein WC!" Den eigentümlichen Reiz dieses Buches beschreibt man fast am besten mit dem Satz: Es enthält keine Photos. Was Biesty und Platt wollen, Neugier wecken und einfache Zusammenhänge entdecken lassen, würden Photos nur durch aufdringlichen Glanz und reklamehafte Schneidigkeit stören. Biestys Zeichnungen, so angefüllt sie sind, lenken immer auf das Wesentliche und heben das typische Merkmal hervor, sie haben dies freundliche Zwinkern, dies einladende "Komm, ich zeig Dir was".

Die Grenzen des Buches sind leicht markiert: Wenn der Wissensdurst wächst, wird die Begeisterung der Assoziation nicht mehr ausreichen, dann scheinen längere Beschreibungen unerläßlich. Doch selbst dann werden Biestys schöne Urbilder der Technik noch freundlich in manchem Kindskopf umherspuken. Reinhard Osteroth Aus dem Englischen von Miriam Magall; Gerstenberg Verlag, Hüdesheim 1992; 48 S, 39 80 DM