Limitierte Stückzahlen, hochwertiges Material und nicht zuletzt ein edles Zertifikat: mit solchen Verkaufsargumenten werden gerade in der Weihnachtszeit Sammelteller, Goldbriefmarken, Modellautos und anderer Krimskrams angeboten. Der Absatz floriert: Die oftmals ganzseitigen Farbanzeigen in Zeitschriften und die hochwertig aufgemachten Kundenbriefe lassen auf gute Verkaufserfolge schließen. Und auch die von Banken und Sparkassen offerierten Gedenkmedaillen sind oft schnell ausverkauft.

Interessant sind solche Sammelstücke durchaus, erinnern sie doch vielfach an besondere Ereignisse, wie etwa die Öffnung des Brandenburger Tors. Auch die künstlerische Gestaltung ist manchmal recht ansprechend. Aber die suggerierte Wertsteigerung bleibt in 99 Prozent der Fälle aus. Der Grund: Absetzen lassen sich derartige Editionen nur aus erster Hand, einen Zweitmarkt gibt es nicht. Wenn jedoch keine Interessenten da sind, läßt sich kein einziges dieser Sammelstücke wieder verkaufen – ob es davon nun 10, 100 oder 10 000 Exemplare gibt. Auch keine Bank oder Sparkasse würde derartige Stücke als Sicherheit akzeptieren.

Vergleichbares gilt in vielen anderen Bereichen. So unterscheiden Numismatiker fein säuberlich zwischen den amtlich ausgegebenen Münzen, deren Wert durch den eingeprägten Nominalbetrag garantiert ist, und den Medaillen, die von privater Seite – etwa Kreditinstituten – in unkontrollierbaren Auflagen ausgegeben werden. Solche Medaillen können zwar durchaus sammelwürdig sein, als Wertanlage jedoch – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – sind sie ungeeignet. Hingegen stellt eine Münzkollektion oftmals einen beträchtlichen Wert dar, wobei vor allem die hierzulande beliebten Sammelgebiete wie etwa die deutschen Ausgaben ihren Markt haben.

Besonders kraß wird das Mißverhältnis zwischen Schrott und lukrativen Produkten bei der Philatelie: Die Preise für Briefmarken haben Mitte der achtziger Jahre einen massiven Einbruch erlebt, von dem sie sich inzwischen weitgehend erholen konnten. Manche Marken – zuletzt etwa die Ausgaben der ehemaligen "DDR", die inzwischen als abgeschlossenes Sammelgebiet gelten – weisen auch recht respektable Wertsteigerungen auf, so daß eine gepflegte Kollektion durchaus auch als Geldanlage geeignet erscheint. Andererseits werden jedoch – vornehmlich über Inserate in Publikumszeitschriften – viele Pseudosammelobjekte angeboten, die kaum noch in Zusammenhang mit der "echten" Philatelie stehen. Dabei handelt es sich etwa um Künstler-Ersttagsbriefe mit aufgeprägtem Künstler-Autogramm, aber auch um Erinnerungsstücke zu wichtigen und unwichtigen Anlässen. Daneben werden auch Motivkollektionen offeriert, etwa mit allen zu einer Olympiade oder Fußballweltmeisterschaft angebotenen Briefmarken – selbstverständlich mit dem Hinweis auf die Bedeutung des Ereignisses und die daraus möglicherweise resultierenden Wertsteigerungen.

Eine solche Kollektion kann durchaus das Sammlerherz höher schlagen lassen, erscheinen die Marken aus fernen Landen doch recht attraktiv. Aber auch hier fehlt – entgegen der vielfach geäußerten Meinung der Anbieter – ein funktionierender Zweitmarkt, so daß ein Wiederverkauf schwierig bis unmöglich ist. Mancher Sammler, der sich etwa "Olympiade 1972" komplett für rund 8000 Mark gekauft hat, wäre froh, heute zwanzig Prozent seines damaligen Einstandspreises zu bekommen.

Problematisch sind auch die jetzt wieder angebotenen "Wertpakete", in denen meist Briefmarken, manchmal auch Münzen fest verschweißt sind. Hier versprechen die Anbieter – auch Banken mischen in diesem Segment mit – eine attraktive Rendite; oftmals wird sogar eine Rückkaufgarantie geboten. Vielfach sind die Anbieterfirmen freilich längst aufgelöst, wenn die Rückkaufgarantie endlich wirksam wird. Abgesehen davon erscheinen meist die Wertentwicklungsaussichten eher mäßig. Der Grund: Bei den Marken handelt es sich um "mittleres Material", das in großen Stückzahlen in den Lagerbüchern des Fachhandels schlummert und keineswegs einer "Ankaufswelle" anheimfallen dürfte.

Zur nochmaligen Warnung: Als Wertanlage sind nur solche Objekte interessant, die auch im Verkaufsfall ihre Interessenten finden. Dies können durchaus auch Briefmarken sein. Doch sind professionelle Händler eher dazu bereit, einen größeren Posten hochwertiger deutscher Nachkriegsausgaben zu erwerben als etwa eine Neuheitenkollektion Europas oder gar eine Motivsammlung, für die es weltweit nur recht wenige zahlungswillige Interessenten gibt.