NEW HAVEN (Connecticut). – Selbstbestimmung ist ein menschliches Grundrecht. Aber nicht alle Völker haben das Glück, über sich selber zu bestimmen. Wenn ein Volk sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt, bedeutet das oft für die Minderheiten im Land oder für seine Nachbarn mit anderer Hautfarbe, Religion oder Sprache: Fremdbestimmung. Nicht selten führt die nationale Geburt der einen Nation zur Verdrängung der anderen.

Selbstverständlich verlassen Menschen ihre Heimat nicht freiwillig. Die neuen Herren töten sie, wenn sie nicht fliehen. Natürlich wollen sich die Überlebenden rächen: Dann sterben noch mehr Menschen eines abscheulichen Todes.

Zum Glück ist das Reisen leichter geworden. So können wenigstens Millionen von Leuten, die nicht fremdbestimmt sein wollen, ihre Habseligkeiten packen und in friedliche Länder ziehen, wo die Idee der Selbstbestimmung hochgehalten wird. Aber die Sache hat einen Haken. Die Menschen in diesen Ländern wollen nicht zu viele Flüchtlinge.

Nach einer Weile sind im Kriegsgebiet Menschen und Munitionsvorräte erschöpft. Das heißt jedoch nicht, daß der Friede greifbar wäre. Über die neuen Grenzen hinweg konservieren Erinnerungen an die Selbstbestimmung den alten Haß. Wenn es eine Erfahrung gibt, die alle gemacht haben, dann ist es die: Man darf dem Nachbarn nicht trauen. Also wird eine große Armee nötig und ein riesenhaftes Waffenarsenal, um das eroberte Territorium zu verteidigen. Selbstbestimmung bringt keine friedlichen Lösungen hervor. Man muß sich nur anschauen, wie Indien und Pakistan in den 45 Jahren seit ihrer Trennung miteinander umgehen.

Der arme Woodrow Wilson wird sich im Grabe umdrehen. Der ehemalige amerikanische Präsident verkündete Selbstbestimmung aus Sorge um die Menschenrechte. Das Ergebnis auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien liefert ein Zerrbild der Prinzipien, die Wilson bewegten.