Geld allein macht nicht unglücklich. Wir haben also keinen Grund, uns dafür zu entschuldigen, daß wir im Zahlen-Lotto spielen. Die Zahlen, die wir auf unseren Monatsschein übertragen, sind immer die gleichen. Denn vielleicht kommen "unsere" Zahlen gerade dann, wenn wir sie geändert haben.

Wir haben kein besonderes System bei unserer Zahlenreihe. Außer, daß wir die Geburtstage und Hausnummern aus unserer Verwandtschaft für tippwürdig halten. Aber wie es bei Verwandten häufig ist, wenn’s ums Geld geht, ist kein Verlaß auf sie. Die Zahlen, die wir Monat für Monat mit stets großen Hoffnungen eintragen, haben uns jedenfalls noch nichts gebracht. Außer ein paar "Dreier" und "Vierer"; was natürlich zu wenig ist, unser Monatsschein für 61 Mark bleibt ein Verlustgeschäft. So aber leben wir von der Hoffnung, daß es beim nächstenmal klappt.

Gleich nach dem Krieg habe ich als Student auch einmal Tippscheine ausgewertet. Und dann kam "sie" an den Schalter. Eine alte Frau mit einem sorgfältig ausgefüllten Tippschein in der Hand. Sie bestand darauf, nun auch endlich einmal zu den Gewinnern zu gehören. Denn sie hätte schon so häufig getippt und im Gegensatz zu ihrer Nachbarin noch nie einen Pfennig zurückbekommen. Wir mußten sie wegschicken, weil ihre Zahlen nicht stimmten. Das Problem ist bis heute so geblieben.

Gerhard Seehase