Ladenschluß

Nach zwölf Jahren muß ein koreanischer Obst- und Gemüsehändler seinen kleinen Laden auf dem Kurfürstendamm schließen. An der Tür hängen zwei große Zettel, die einer ZEIT-Leserin aus Berlin aufgefallen sind. Darauf steht: "Liebe Kunden! Ich bin sehr traurig, daß ich mich mit Ihnen abschieden. Ich bin sehr dankbar, daß Sie bis jetzt meinen Laden benutzt haben. Wenn ich Ihnen etwas unhöflich wäre, verzeihen Sie mich alles. Ich liebe sehr Deutsche und Deutschland, weil Berlin mir lange (12 Jahre) Wohnort ist. Ich vergesse niemals Ihre Gesicht und Lachen. Ich gehe nach Heimat. Mein Laden schließt ab 1.10.92. Mein Ladenvertrag am 30.9.92 beendet. Vielleicht übernimmt mein Kollege diesen Laden. Alles Gute! Leb’ wohl!" – Ein Ausländer geht. Er findet freundliche Worte.

Aktive Demut

Es gibt Bücher, die kommen einem in die Finger, man weiß nicht wie. Arno Sölters "Meine Sekretärin" ist so ein Buch. Weinroter Umschlag, darunter Leinen in Beige. Untertitel: "Ein Dankeschön vom Chef in Zitaten, Aphorismen, Bonmots". Das Buch lag dort, wo schon andere Rezensionsexemplare liegen, die erst mal niemand haben will. Was machen wir mit diesem Buch? Wir schlagen es auf. Irgendwo. Und sofort bestätigt sich das erste unbehagliche Gefühl. Dieses Buch ist durch und durch... Aber lesen Sie selbst. Auf Seite 84 heißt es über Kanzler Kohl und seine Sekretärin Juliane Weber: "Bundeskanzler Helmut Kohl spürt in ihrer aktiven Demut und schöpferischen Aktivität seine eigene intakt gebliebene Welt. In ihrer Selbstbescheidung ersetzt sie seine anders verlaufende Wesenslinie. Sie gibt ihm im Bonner Dschungel ein Stück Heimat. Natürlich ist sie ein Energiebündel an Arbeitsleistung und Engagement." Noch eine Kostprobe?

Seite 183 zum Thema Ehefrau und Sekretärin die deutsche Schauspielerin Maria Schell: "Frauen, die in der Ehe die Hosen anhaben, müssen oft feststellen, daß ihre Rivalin den Nerzmantel trägt." Es reicht? Es reicht.

Eduard, nicht Gerhard

Unseren, aufmerksamen Lesern ist nicht entgangen, daß wir in dem Portrait Hannelore Hogers in der Ausgabe Nummer 44 dem Schauspieler Eduard Marcks den Vornamen des Bildhauers Gerhard Marcks untergeschoben haben. Es war ein Mißgriff ins – korrekte – Manuskript. Wir bitten um Nachsicht.