Bronson. Eine Entsagung

Wenn dieses Blatt erscheint, wird das Undenkbare geschehen sein: Charles Bronson ist siebzig geworden. Damals wurde er plötzlich, als der Zug sich keuchend in die flirrende Hitze davongemacht hatte, hinter dem Bahndamm sichtbar, und die drei Männer, eben noch im Begriff, sich ebenfalls davonzumachen, hielten, als sie den klagenden Ton der Mundharmonika hörten, erschrocken inne, drehten sich um, drückten sich die Lederhüte fest, setzten, während sie sich aus drei Richtungen langsam auf Bronson zubewegten, die rechte Hand leicht auf die Hüfte, und einer von ihnen, nachdem Bronson gefragt hatte: "Wo ist mein Pferd?", wandte sich lachend zu seinen Gefährten, sagte dann über die Gleise hinweg: "Ich fürchte, wir haben eins zuwenig", worauf Bronson erwiderte: "Ich fürchte, ihr habt zwei zuviel," Und dann lagen drei Tote am Bahndamm. Das war vor fast 25 Jahren, die nackten Brüste der Mädchen im Freibad waren eine Erregung, es gab noch den Käfer von VW, und die Freiheit gehörte noch nicht Marlboro. Als der Dichter Friedrich H. in seinen späteren Jahren einmal an den Film "Spiel mir das Lied vom Tod" dachte, schrieb er die Zeilen: "Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen, / April und Mai und Julius sind ferne, / Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne!" Und sein Kollege, der Dramatiker Emil Eimer, leistet sich in seinem Stück "Bronson. Eine Entsagung" den aphoristisch zugespitzten Satz: "Wir alle werden nicht jünger, eher älter." Es ist, wie es ist, und es ist fürchterlich.

1:0 für Postbarock in Dresden

Das Modell für eine zukünftige Kunsthalle in Dresden, so schrieben wir vor einem Jahr, sehe aus "wie vier vorsätzlich fallen gelassene, beschwipste Puddinge" und berechtige so zu den "schönsten Hoffnungen auf ein heiter postbarockes Ensemble, das August dem Starken wahrscheinlich als eine Fortsetzung des Grünen Gewölbes im Freien vorgekommen wäre". Jetzt haben die Dresdener lange nachgedacht, kräftig geschluckt und mit beschwertem Magen dem heftig umstrittenen Projekt zugestimmt: Sie geben das Grundstück, ein kostbares Areal südlich des Zwingers mit dem schönen Namen "Der Herzogin Garten"; von Frank Stella, dem amerikanischen Künstler, stammt der Entwurf der bunten Kunsthalle; die Kosten des Baus und die Verantwortung der Finanzierung des Ausstellungsbetriebs übernehmen die Initiatoren des Projekts, das Kölner Sammler-Ehepaar Erika und Rolf Hoffmann, das der Kunsthalle auch seine Sammlung überläßt. Das Ergebnis spricht für die Nachkommen Augusts des Starken, der sich alles leistete, nur eines nicht: bescheidenen Durchschnitt.

Der Streibl-Rep

Das wär’ ja noch schöner, hodagsaggt, daß wir da mitmarschieren, hodagsaggt, da droben in Berlin, in diesem Kreuzberg, hodagsaggt, bei dieser Schaufensterveranstaltung, hodagsaggt, für die ganzen Asylanten, hodagsaggt, die uns das Geld wegnehmen, hodagsaggt, das wir für unsere Kinder zum Beispiel brauchen, hodagsaggt, und nicht für eine multikriminelle Gesellschaft, hodagsaggt, und Wurscht ist es ihm sowieso, hodagsaggt, wer ihn lobt dafür, hodagsaggt. Respekt, hodagsaggt, der Schönhuber Franz.