Der deutsche Aktienmarkt befindet sich weiterhin in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite die schlechte Lage der deutschen Wirtschaft, auf der anderen die anhaltenden Hoffnungen auf nochmals sinkende Zinsen sowie eine kräftige Erholung des Dollars – mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Aktien exportorientierter Unternehmen.

In dieser Situation lassen sich langfristig disponierende Anleger kaum aus ihrer Zurückhaltung herauslocken. Und professionelle Vermögensverwalter versuchen bestenfalls ohne Einsatz größerer Mittel im Hinblick auf den Jahresschluß eine gewisse Kurspflege zu betreiben. Ihnen kommen die immer wieder auftauchenden Gerüchte über eine Leitzinssenkung noch vor Jahresschluß gerade recht.

Spekulative Engagements waren in den vergangenen Tagen vor allem in Aktien solcher Unternehmen zu beobachten, die vom steigenden Dollar profitieren. Bankanalysten meinen, daß dabei jenen Gesellschaften der Vorzug zu geben sei, die über Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten verfügen. Sie kämen – so wird gesagt – am ehesten in den Genuß einer sich wiederbelebenden Konjunktur in Amerika.

Aus dieser Sicht erklärt sich die sporadisch auftauchende Nachfrage nach den Papieren der Großchemie, deren Kurse andererseits immer dann unter Druck geraten, wenn Banken bei ihnen die Gewinnprognosen zurücknehmen. Die schlechten Chemieergebnisse seien aber bereits längst in der aktuellen Börsenbewertung berücksichtigt, sagen Kursoptimisten.

Die Nachfrage nach den zinsempfindlichen Bank- und Versicherungsaktien hat nachgelassen. Auch hier warten die Börsianer auf die Herbstveröffentlichungen. Das Angebot der Commerzbank an ihre Aktionäre, Genußscheine zu zeichnen, wurde in Börsenkreisen als akzeptabel bezeichnet. Einen tieferen Eindruck auf den Kurs der Commerzbank hinterließ es indessen nicht.

Einig sind sich die Börsianer in der Abneigung gegenüber den Stahlwerten. Die Stahlprognosen sind derzeit so negativ, daß sich niemand in diesem Bereich eine rasche Kurserholung vorstellen kann. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der relativ lebhafte Handel mit Mannesmann-Aktien. Als Grund werden immer wieder die aus dem Mobilfunk-Geschäft winkenden Gewinne angegeben. K. W.