Das Geld reicht außerdem, um einen Kredit von mehreren hundert Millionen Mark zurückzuzahlen, den sein Vater zum Rückkauf früher veräußerter Geschäftsanteile aufgenommen hatte, und die mit Bankchef Hilmar Kopper für die nächsten Jahre fest vereinbarten Kapitalerhöhungen bei der Gerling-Obergesellschaft mühelos zu finanzieren.

Für die Zeit danach hat Gerling ebenfalls vertraglich vorgesorgt, um selbst im Falle akuten Finanzbedarfs seinen reichen Partner nicht zu stark werden zu lassen. Von seinen siebzig Prozent darf er noch ein Paket von maximal neunzehn Prozent an einen Dritten verkaufen, ohne dafür die Zustimmung der Deutschen Bank einholen zu müssen.

Auch personell müssen sich die Bankiers in Köln einstweilen Zurückhaltung auferlegen. Nur einer von ihnen, nämlich der für das Versicherungsgeschäft zuständige Vorstand Georg Krupp, darf im Gerling-Aufsichtsrat sitzen. Der Plan, auch dessen Kollegen Kopper in das Gremium zu entsenden, scheiterte am Einspruch der amerikanischen Branchenaufsicht. Da nach dortigem Recht allzu innige Verbindungen zwischen Assekuranz und Geldkonzernen verboten, beide Unternehmen jedoch auf dem amerikanischen Markt aktiv sind, sperrten sich die Amerikaner gegen das Kölner Kopper-Mandat.

Häufig will Rolf Gerling auch künftig nicht in seinem Unternehmen auftauchen. Die Marienburg ist nach dem Tod seiner Eltern zu einer Ausbildungsstätte des Konzerns umfunktioniert worden; auch sonst fühlt sich der Wahlschweizer "sozial in Köln nicht eingebunden". Vorstandschef Kracht dürfte es nicht unlieb sein, daß sich sein AR-Vorsitzender aus der Ferne mehr um Langfriststrategien und die Besetzung von Schlüsselpositionen als ums praktische Geschäft kümmern will. Der 57 Jahre alte Gerling-Chef muß ein zusammen mit dem Münchener Unternehmensberater Roland Berger entwickeltes Konzept für den Umbau des Konzerns realisieren, das in enger Anlehnung an das "Veba-Modell" Gerling zu einer Versicherungsgruppe mit deutlich erhöhter Führungseffizienz und Ertragskraft machen soll. Eine der überbesetzten Verwaltung verordnete Schlankheitskur soll Personaleinsparungen von jährlich rund hundert Millionen Mark bringen.

Nur höchst ungern freundet sich Rolf Gerling mit dem Gedanken an, in seinem Hause unter Umständen auch einmal hart durchzugreifen, vielleicht sogar Köpfe rollen zu lassen. "Ich hoffe", so der klassische Anti-Held vieldeutig, "daß ich in einer solchen Situation nicht hart, sondern stark bin."