ZDF, Sonntag, 15. November, 21.00 Uhr: "Das große Fest"

Die beiden rotbraunen Zipfelmützen hat ihnen dereinst die Mutter gestrickt, als sie ins Leben gingen. Zwei deutsche Zipfelmützen, die nun Gemeinsamkeit bedeuten sollen, eine gemeinsame Herkunft immerhin. Und als die beiden betagten Brüder nebeneinander her am Rügener Strand spazieren, sind sie überdeutlich zwei zipfelmützige deutsche Michel, die einander das Recht streitig machen, diesen Kopfschmuck zu tragen. Natürlich: Der eine ist der Ostler (Hans-Christian Blech aus dem Westen), der andere der Westler (Rolf Hoppe aus dem Osten). Natürlich: Wiedervereint, beginnt die große Streiterei.

Der Film von Klaus Poche und Frank Beyer wimmelt von wandelnden Symbolen. Aber so haarsträubend, so unerbittlich, daß es schon wieder Spaß macht. In der schönen, friedvollen Kulisse des Ostseestrandes sieht man die Brüder streiten; zur Freude, zum Genuß des Augenblicks fehlt ihnen die Gelassenheit. Sie streiten, wie auch nicht, um ein kleines verkommenes Hotel, das "Deutsches Haus" heißt und das gemeinsames Erbe ist. Der eine will es liebevoll zusammenflicken, der andere abreißen und durch ein Hochhaus-Strandhotel ersetzen.

Jeder Fernsehzuschauer weiß allsogleich, was hier gespielt wird. Man kann sich von Beginn an auf derbe Metaphorik einstellen und seinen Spaß am Dechiffrieren finden. Da gibt es eine hochbusige Serviererin, die einem Halbwüchsigen dann und wann einen Blick, auch mal eine Berührung oder einen Kuß auf ihre Brüste gewährt. Als er mit dem seidenen Schwarzrotgold der neuen Fahnen bei ihr erscheint, befühlt sie lüstern das feine Tuch und beschließt, sich Rock und Bluse draus zu schneidern. Schwarzer Rock und rote Bluse und eine gelbe Haarschleife obendrauf: Fertig ist Frau Deutschland.

Als dann die Immobilienhaie im Haus Deutschland Einzug halten, streckt sie sich unter sie hin. Und läßt ihre Furche ackern von denen, die endlich wissen, was das wert ist: das Land, die Frau, der Stoff, mit dem Mann alles machen kann. Der Jüngling aber geht leer aus, sein Eros wird bitter und brutal im Wandel, der seine Welt erfaßt hat.

Es gibt ein paar herrliche Karikaturen, den klassischen Wendehals etwa, den Michael Gwisdek spielt. Und es gibt ein paar hellsichtige Ideen in diesem Film. Die Frau des Westbruders (Iris Berben) macht dem Ostbruder klar, daß er so lange als der moralisch Bessere dastehen wird, als er nicht die Initiative ergreift und sich die Finger schmutzig macht: Alle Fehler muß der Westler machen, denn nur er handelt.

An anderen Stellen wird die Symbolik überstrapaziert. Auch die erstklassige Besetzung kann wenig retten, wenn das Volk die Bühne betritt, eine Ansammlung von Halbschatten, die nur da sind, um sich zögernd abzuwenden, als sie zum großen Fest gerufen werden: eine Opernszene.