DIE ZEIT: Im März dieses Jahres haben sie erklärt, Sie wollten keine Bücher mehr schreiben. Bedeutet das, Astrid Lindgren ist jetzt erwachsen geworden?

ASTRID LINDGREN: Nein. Ich bin noch ebenso kindlich wie früher. Aber meine Augen machen mir Probleme. Es ist wahnsinnig schwierig, etwas zu schreiben. Aber ich tu’ es doch immer wieder. Es gibt so viele Fragen, und alle Menschen glauben, ich müßte meine Meinung dazu sagen.

Schreiben war für Sie eine Möglichkeit, Ihrer Kindheit wiederzubegegnen. Sie haben das oft als das Schönste bezeichnet, was es gibt. Ist Ihre Kindheit nun verschwunden?

Ich hole meine Kindheit immer zurück. Sie verschwindet nicht, nur weil ich nicht mehr darüber schreibe. Meine zwei Schwestern leben an verschiedenen Orten. Mit der jüngsten telephoniere ich am Morgen, mit der mittleren am Abend. Wenn wir über unsere Kindheit sprechen, ist das ganz natürlich. Wir können uns an alles sehr gut erinnern.

Man könnte meinen, Sie entfliehen der Erwachsenenwelt ganz gern. War Schreiben für Sie auch eine Art von Flucht?

Ganz und gar nicht. Alle Menschen sollten ihre Kindheit von Anfang bis Ende mit sich tragen. Es ist doch interessant, daran zu denken.

Und was sollen die Menschen tun, die keine schöne Kindheit hatten?