Weitere Untersuchungen über die Vorlieben von Hotelgästen sind eigentlich überflüssig, denn sie wollen immer nur das eine: ein bequemes Bett, vielleicht noch Ruhe und etwas Platz. Doch die Hotelkonzerne geben nicht auf, mit technischen Neuerungen den wahren Bedürfnissen ihrer Kunden nach Bewegung und Spiel nachzukommen.

Im Zeitalter der credit card sind Steckkarten als Schlüsselersatz groß im Kommen. Sie haben sich bewährt, seit dem Gast geschulte Hauskräfte zur Seite gestellt werden, die ihm praktischerweise auch gleich die Funktion ausgeklügelter Lichtschalterleisten erklären. Alles weitere ergibt sich von selbst. Ausgerüstet mit dem hoteleigenen Verkabelungsplan, ist auch der sorgfältig hinter dem Bett versteckte Stromanschluß bald kein Geheimnis mehr. Das freut den Gast, obwohl der weltweit einsetzbare Adapter vor der vierpoligen Innovation kapituliert.

Die Bad-Apparaturen sind auf das neueste Design abgerüstet. Wer trauert da noch den zweiarmigen Drehvorrichtungen Marke blue and red nach, von denen britische Hoteliers bis heute nicht lassen wollen. Die modische Einhebelmischbatterie in der Badewanne verspricht leichte Handhabung. Der kalte Strahl aus dem Duschkopf trifft den Gast allerdings unvermittelt. Planmäßig hätte das Wasser aus dem Wanneneinlauf fließen sollen. Beim zweiten Versuch klappt es. Doch dann wickelt sich der weiße Plastikvorhang figurbetont um den Körper. Mit dem üppigen Bade- und Handtüchervorrat, den Vorlegern und Ablagenfrottees ist die Überschwemmung im Bad im Nu wieder trockengelegt.

Die moderne Mischbatterie am Waschtisch flößt Vertrauen ein. Doch wo steckt der Stöpsel? Selbstverständlich hat der Gummiverschluß an der Kugelkordel ausgedient. Auch die unhandliche Extenderlösung fand vor der neuen Badezimmertechnologie keine Gnade. Aber dieser Abfluß ist verschlossen. Bündig eingepaßt ruht dort ein rundes Ding, wo weltweit der Stöpsel hingehört.

Zum Glück gibt es ja die Schalterleiste neben der Spiegelwand. Knopfdruck: Der Ventilator summt. Ein weiterer Versuch: Es wird dunkel, wieder hell, aber nur im Spiegelbereich. Der Stöpsel ruht. Unter dem Waschtisch windet sich die herkömmliche Knieführung. Einige extravagante Verbindungsstücke fallen auf, aber verdeckte Hebel oder Knöpfe fehlen. Der Abflußbogen reagiert nachgebend auf die Stöße mit der flachen Hand. Der Stöpsel ruht. Auch kreisende Bewegungen entlang der Keramik bringen nichts. Die unsichtbaren Infrarotkontakte müssen ausgefallen sein.

Die Putzfrau reagiert gelassen auf den Frotteeberg und das vollgelaufene Waschbecken. Sie kennt den ewigen Konflikt: Männer und Technik! Beiläufig tippt sie auf den Stöpsel. Das Wasser fließt ab. Verdeckte Zweipunktaufhängung. Genial.

Paul Stratmann