Von Michael Braun

Die Manager der BHF-Tochter Frankfurt Trust Investmentgesellschaft (FT) waren blaß vor Neid: Milliardensummen von Spargeldern strömten in die Investmentfonds der Konkurrenz nach Luxemburg. Offenbar glauben viele Sparer, sich nur so der Zinsertragsteuer entziehen zu können. Dabei unterliegen deutsche Fonds, deren Konten im Ausland geführt werden, genausowenig der von 1993 an geltenden Zinsabschlagsteuer wie Luxemburger Fonds. Doch die verunsicherten Anleger, unterstützt von provisionshungrigen Beratern, die solche Unsicherheit zu nutzen wissen, schaufelten ihre Gelder immer schneller ins benachbarte Großherzogtum. Schließlich sah sich auch die relativ kleine Frankfurt Trust Mitte des Jahres dazu gezwungen, drei Fonds nach Luxemburger Recht einzurichten, um an der Wanderung zum Boulevard Royal teilzuhaben.

Ende September, so rechnete der Branchenverband BVI (Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften) aus, waren von den knapp 210 Milliarden Mark Investmentvermögen aus deutscher Hand nur noch rund 145 Milliarden Mark in Deutschland beheimatet, schon fast 65 Milliarden Mark lagen in Luxemburg. Besonders brisant: Gut sechzehn Milliarden Mark, mehr als ein Viertel des Septemberbestandes, sind allein im dritten Quartal über die Mosel geflossen. Deutsche Fonds mußten dagegen Mittelabflüsse von mehr als sechs Milliarden Mark registrieren. Schon im nächsten Jahr, darauf bereiten sich die Fondsmanager vor, könnten die Volumina in Luxemburg größer sein als in Deutschland.

Auf die Wertentwicklung der Fonds hat die Steuerflucht allerdings keinen Einfluß: Das Geschäft bleibt fest in Frankfurter Hand, ob es sich nun um Fonds deutschen oder luxemburgischen Rechts handelt. Das Fondsmanagement der Marktführer hüben wie drüben sitzt in Frankfurt, investiert wird meist in D-Mark-Wertpapiere, gekauft und verkauft namens der Fonds wird überwiegend an den Börsen in Frankfurt.

Langfristig hohe Verluste

Die deutschen Marktindizes bleiben deshalb verläßliche Maßstäbe für den relativen Erfolg vieler Investmentfonds. Allerdings ist es dem Management der Fonds von Juli bis September 1992 kaum gelungen, die Aktienfonds vom negativen Trend des Marktes abzukoppeln. Aber das Auffälligste an der Qualitätsprüfung von 150 Investmentfonds zum Ende des dritten Quartals ist: Nicht ein Aktienfonds liegt in der dreijährigen Betrachtung im Plus, die Verluste allein im dritten Quartal gehen weit in den zweistelligen Prozentbereich hinein. Dagegen sind bei den Rentenfonds, vor allem jenen, die im Inland investiert haben, die Pluszeichen weit verbreitet. Allerdings erreichen die Spitzenfonds dieser Gruppe noch nicht einmal annähernd die Quartalszunahme des Bundesanleihe-Indexes. Die Lehren aus diesen Quartals- und Dreijahreszahlen: Erstens sind die Aktien keinesfalls immer die rentabelste Anlageform. Zweitens sind Direktengagements in festverzinslichen Wertpapieren lohnender als in Rentenfonds. Und drittens entbindet das "eingebaute Management" in den Fonds den Anleger nicht von der Aufgabe, sich selbst um seine Anlage zu kümmern. Denn Aktienfonds investieren nun mal nicht in Renten. In Zeiten, in denen Anleihen interessanter als Aktien sind, muß der Anleger schon selbst umschichten. Das Fondsmanagement, gefangen in den eigenen Anlagerichtlinien, muß den Anteilswert verfallen lassen und darf selbst nicht in lukrativere Anlagen wechseln.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat im dritten Quartal 15,1 Prozent, in den vergangenen Jahren 8,3 Prozent verloren. Nur sechs Fonds mit großem Risikopotential, die ihre Gelder in deutsche Aktien investieren, waren im dreijährigen Schnitt besser als der Dax; der Alte Leipziger Trust Fonds A darunter ziemlich einsam an der Spitze mit einem Minus von nur 0,4 Prozent. Betrachtet man nur das dritte Quartal, konnten zwar rund fünfzehn der hier untersuchten Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt auf deutschen Aktien besser als der Dax abschneiden. Aber der einzige Fonds, der im vergangenen Quartal überhaupt positiv abschließen konnte, war der Japan-Pazifik-Fonds der Vereins- und Westbank mit einem Plus von 2,6 Prozent. Diesen Kleinerfolg mußte der Anteilseigner freilich mit einem hohen Anlegerstreßfaktor bezahlen und dazu mit einem fast fünfzigprozentigen Vermögensverlust in den vergangenen drei Jahren. Zudem profitierte der genannte Fonds vermutlich von der Hausse am Tokioter Markt, als die japanische Regierung ihr hundert Milliarden Mark schweres Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft bekanntgab – ein Strohfeuer, das an der Tokioter Börse mittlerweile wieder verglimmt.