Als Berater in Politik und Wirtschaft tut es ihr so schnell keine(r) gleich. Gertrud Höhler, 51jährige Literaturwissenschaftlerin und derzeit selbständige Unternehmensberaterin in Berlin, traut sich vieles zu. Sie berät Mercedes und die Deutsche Bank genauso wie "die Mehrzahl der fünfzig führenden Unternehmen in Deutschland". Sie sitzt im Beirat des Verteidigungsministers für Fragen der Inneren Führung und im Beirat des Bundesministeriums für Forschung und Technologie genauso wie im Kuratorium der Stiftung Alte liebenswerte Bäume in Deutschland. Nur zu einem richtigen Minister- oder Vorstandsposten hat es trotz vielversprechender Gerüchte nie ganz gereicht. Bei VW war sie an einem hochdotierten und hochrangigen Posten schon ganz nahe dran. Da opponierten Betriebsräte und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gegen die Bestallung der konservativen Professorin, weil sie nicht so recht einsehen wollten, was denn ihr Beitrag zum Fortkommen des Autobauers sein könnte. Diese Bedenken teilen die Chefs des britischen Lebensmittelmultis Grand Metropolitan Plc. offenbar nicht. Sie beriefen die vielseitige Frau als Non-Executive Director in den Vorstand des Unternehmens. Zu den wichtigsten Erzeugnissen des britischen Multis zählen Smirnoff-Wodka, J&B Whisky und Bailey’s. Aber auch die Eismarke Häagen Dazs und die Hamburger-Kette Burger King gehören dazu. Man darf also gespannt sein, mit welchen Zutaten die smarte Professorin künftig die Hamburger verfeinert.

Der Streit zwischen den Klöckner-Werken und der Ruhrkohle über Kokslieferungen eskaliert. Inzwischen hat die Ruhrkohle nämlich – nach detektivischen Ermittlungen, wie ihr Vorstands Vorsitzender Heinz Horn sagt – festgestellt, daß Klöckner keineswegs nur Probemengen aus dem Ausland bezogen hat. Vielmehr seien seit Beginn des Jahres annähernd 200 000 Tonnen Koks importiert worden, rund ein Fünftel des Jahresbedarfs der Klöckner-Hütten.

Horn sieht darin einen klaren Verstoß gegen den Hüttenvertrag, der Klöckner zum Bezug von Ruhrkoks verpflichtet. Die Ruhrkohle hat deshalb ein Schiedsgericht angerufen, das vermutlich Mitte 1993 sowohl über das Begehren der Klöckner-Werke, von der Verpflichtung zum Kauf von Ruhrkoks befreit zu werden, als auch über die Forderung der Ruhrkohle nach Schadenersatz entscheiden wird.

Die Frage eines Journalisten, ob denn da nicht ein Gentlemen’s Agreement in der Luft liege, beantwortete Horn mit einem für Klöckner-Chef Hans Christoph von Rohr vernichtenden Satz: "Unter Gentlemen würde man das tun."

Paul Wieandt trinkt zwar am liebsten Rheinwein, aber ansonsten gilt er als frankophil. Kein anderer deutscher Bankier kennt das Pariser Leben so gut wie er. Der 56 Jahre alte Vorstandsvorsitzende der BfG-Bank kann sich deshalb gut vorstellen, unter einem französischen Chef zu arbeiten. Ob Jean-Yves Harperer, Präsident von Credit Lyonnais, ihn jedoch haben will, steht noch lange nicht fest. Die staatliche Crédit Lyonnais, Europas größte Universalbank, übernimmt für 1,42 Milliarden Mark die Mehrheit der BfG.

Die Franzosen sind damit auf ihrem Weg zur grenzüberschreitenden Europabank ein gutes Stück vorangekommen. Und die bisherigen BfG-Eigner, die Versicherungsholding AMB und die Gewerkschaftsholding BGAG, sind froh, den Klotz loszuwerden. Allein in den vergangenen zwei Jahren hat sie das Sorgenkind 1,5 Milliarden Mark gekostet. Und längst sind nicht alle Probleme gelöst: Allein die Vorsorge für wacklige Ostkredite erfordert noch über eine Milliarde Mark an Rückstellungen. Die Schlankheitskur, der bereits 2000 Mitarbeiter zum Opfer gefallen sind, wird weitergehen.

Hire and fire – dieses uramerikanische Unternehmensprinzip gilt nicht nur für die Mitarbeiter, auch ganze Firmen werden nach dieser Regel akquiriert und wieder abgestoßen. Nostalgische Gefühle scheinen die Manager der New Yorker F. W. Woolworth Corp. jedenfalls nicht geplagt zu haben, als sie nun ganz überraschend beschlossen, ihre deutsche Tochter zu versilbern. Nach gewaltigem Umsatzsprung und noch schönerem Gewinnanstieg aus dem Geschäft mit der deutschen Einheit glauben die US-Manager noch bessere Ergebnisse am deutschen Markt nicht mehr erzielen zu können. Sie möchten sich stärker dem Kontinent der Zukunft, Südamerika, zuwenden.