Plötzlich, 1988, gab er ein Signal; es waren Italiens "Eurokommunisten", die es ermöglichten. Als Ehrendoktor der Universität Bologna hoch geehrt, wagte Dubček das Unglaubliche zu prophezeien: "Es genügt ein großer Aufbruch unseres Volkes, um die geschichtliche Erwartung von 1968 wieder an die Oberfläche zu bringen."

Als es nur ein Jahr später so gekommen war und Dubček wieder – nun mit dem Dichter Havel – auf dem Wenzelsplatz zu Hunderttausenden sprach, ebbte der Beifall ab, als er noch immer das Wort "Sozialismus" benutzte. Seine politische Wiederkehr – als Parlamentspräsident und zuletzt an der Spitze einer kleinen sozialdemokratischen Partei – war von Melancholie überschattet.

Unter Slowaken und Tschechen aber dürfte, auch in ihrem Scheidungsjahr, das Menschliche nachwirken, das Dubček in der Politik verkörperte. Ein Romantiker? Jedenfalls einer, dessen Gestalt daran erinnert, daß manchmal doch wirklich werden kann, was utopisch erschien. Hansjakob Stehle