Sein erster wirklicher Song war "Waiting ’round To Die", über das Streunen und Saufen und weitere Arten, den Tod zu erwarten. "Ich war ein fahrender Sänger. Damals konnte man noch irgendwo hinkommen, am Mittwoch vorspielen, am Freitag auftreten für zwanzig oder vierzig Dollar. Was genug war. Heute brauchst du eine Platte und mußt Monate im Voraus buchen." Ein Freund rief ihn nach Nashville. Dort machte er zehn Platten und blieb weidlich unbekannt, bis Doc Watson "If I Needed You" übernahm und Emmylou Harris 1977 "Pancho & Lefty", den Outlaw-Song, der heute noch in Austin eine Hymne ist.

Billy Graham, sagt Van Zandt, sei eigentlich der Koautor. "Ich war in Dallas zur selben Zeit wie Graham und irgendein Guru: Graham hatte eine halbe Million Publikum, der Guru nochmal die Hälfte und ich sieben Säufer aus der Unterstadt. Im Kreis von fünfzig Meilen gab es kein Hotel. Ich landete dann irgendwo draußen in einem Schuppen ohne Fernseher und Coke-Maschine, und der Swimmingpool hatte einen Riß. Ich mußte schreiben, dank Billy Graham."

Schreiben ist für Van Zandt eine Qual. Es kommt über ihn. Es stürzt herab, braust auf; er rast und kommt kaum hinterher. "Bei ‚Mr. Mudd und Mr. Gold‘ hatte ich keine Ahnung, was ich überhaupt schrieb", nachts um drei in South Carolina. Um Ruhe zu finden, hätte er sich "manchmal am liebsten die Hände abgehackt". Dann Stille, lange nichts. Sein letzte Studioalbum stammt von 1987. Für ein neues hat er sieben Songs beisammen. Drei sucht er noch. Er möchte über Aids schreiben und weiß nicht, wie. "Es darf nicht bevormundend klingen."

Es scheint, als sei Townes Van Zandt nie jung gewesen. Der Rebellion entzog er sich durch Flucht. "Ich war mehr ein trauriger als ein zorniger junger Mann." Woher die Düsternis? "Weil die Sonne verbrennt. Alles, was ich liebte, starb. Und wenn nicht, so würde es sterben. So läuft die Welt, und es bricht dir das Herz." Leih mir Lungen, bitte ich / meine wollen sterben / stehe starr und bitterlich / atme Zeit in Scherben / atme her und atme hin / bete, daß kein Gift im Tag / rings ist Leben, und ich bin / einsam, unentschieden, zag.

Später lehrte er sich Dankbarkeit. "Als ich älter wurde und klüger, lernte ich Respekt für das, was mir gegeben wird. Ich bin kein mißverstandener Mensch. Ich habe eine großartige Frau, zwei großartige Söhne (23 und 9) und eine Tochter." Die ist erst acht Monate alt, jedoch gleichfalls bereits großartig. "Ich könnte nicht glücklicher sein", sagt Townes und verbessert: "Nicht mehr gesegnet." Albert Schweitzer ist sein Held. "Wenn Albert nicht im Himmel ist, kommt überhaupt keiner rein." Van Gogh dürfte es auch geschafft haben.

Die Wanderjahre sind vorbei. "Ich muß nicht mehr losziehen, Mädchen suchen, trinken. Ich bin drüber weg. Ich brauche das Zeug nicht mehr." Manchmal geht er noch in Clubs, wenn Freunde spielen – Guy Clark oder John Prine. Er lebt in guitar town Nashville, obwohl er eigentlich nach Austin/Texas gehört, in die Residenz der Folk-Poeten.

Aufs business verwendet er kaum Energie. Ein bißchen Zeit müsse man investieren; sonst werde man betrogen. Natürlich lebt auch Townes Van Zandt von der Country-Industrie und den Tantiemen berühmter Kollegen, die seine Songs zu schönen Fremdlingen machen, was ihm gestattet, in kleinen Clubs zu spielen, wann immer er Lust hat oder keine. "Seine Songs sind die Antithese alles Industriellen", schrieb Paul Zollo. "Er hält sich außerhalb der Maschinerie, und das macht seine Musik unabhängig vom Markt." Wer’s fühlt, ist frei, auch wenn er’s nicht hat. Townes’ archaische Welt wird gedeckt von allen, die wünschen, seine Freiheit möge ihre sein: Rockfans ohne Lust auf Jugendkult; großstadtmüde Seelen; bukolische Ami-Anarchos; tröstliche Denker, die gern Dichter wären; Dichter, die gern sängen. Ein Markt auch sie? Nicht seine Kreaturen.