Denn Townes Van Zandt ist Schöpfer. "Wenn ich schreibe, gibt es nur mich und den Kosmos." Das sucht und fürchtet man doch allermeist: aus dieser Welt der Interdependenz herauszufallen, verlassen von allen guten und bösen Geistern. "Du muß allein sein. Du mußt bereit sein, wenn ein Song kommt." Non but the rain und Snowin’ on Reton, Himmel und Erde, dazwischen der singende Mann: Barlachs Bild. Hoch, tief kommen die Tage zur Welt / wie Regen auf eine Trommel fällt / vergiß, verliere jedes Wort / aber jage nichts fort / Leben ist Fliegen / oben, hienieden / aus Schwingen und Augen / wirf Staub und den Schlaf.

Das Café füllt sich. Gläser scheppern, Stimmen klirren, die Espressomaschine schreit. Van Zandt wird leiser. "Respekt", sagt er, "Dank"; es wird Zeit für letzte Worte. "Der Schlüssel ist Dankbarkeit. In jedem Song steckt Hoffnung. Ich bin kein Missionar im Licht mit der Gitarre. Ich bringe nur’zusammen." Um messianische Verwechslung glaubhaft zu vermeiden, erzählt er noch einen Witz: "Was ist das: hat vier Beine und einen Arm." – ?? – "Ein Rottweiler."

It’s nice to make a new friend, schreibt er auf die Kassette. Take care!, und malt die Welt dazu: eine Straße, einen Berg, einen Kaktus, keinen Rottweiler. Schon ist er weg, hinaus in den klammen Berliner Herbstabend. Sechs Stunden später, längst nach Mitternacht, steht Van Zandt auf der kleinen Bühne des "Quasimodo".

Wie er singt, dunkel, schleppend, hingehockt auf seinen Stuhl, da fühlt man irgendwie, dieser große dürre Mann sei in Gefahr. "Our Mother the Mountain" kommt, "Tecumseh Valley", "Dead Flowers" von den Stones, Springsteens "Racing In the Streets", das sterbensschwarze "Nothin’". Nach anderthalb Stunden geht er, wird herausgebrüllt, singt "Two Girls", geht, muß wiederkommen, singt "Flyin’ Shoes", geht.

In solch kalter Nacht zog Townes Menschensohn durch die Straßen von New York, 600 Dollar Gage in der Tasche, in Zwanzigernoten, ging vorbei an den Bettlern und bums von Manhattan und gab jedem einen Schein – jedem, der wach war. Darum wachet! Orpheus steigt herab.

Dann sitzt er hinter der Bühne, müde und verloren. Jetzt geh’. Jetzt verschwinde. Fremd ist er und leer, bis das Glas sich wieder füllt. Er läuft über dünnes Eis. Und siehe, es trägt.